Achtung: Sexistische Bekanntschaftsanzeigen!

Neulich in der Wein-Handlung meines Vertrauens: Das Gespräch kreist um nichts besonderes. Eine Frau, so in den höheren Vierzigern, redet über die Schlechtigkeit der Welt. Sie räsoniert darüber, warum ihr die (männlichen!) Polizisten beim Selbstverteidigungskurs für Frauen partout nicht erklären wollten, wie man (also: frau) beim sexuell motivierten Übergriff eines Mannes demselben am besten in die Eier tritt, mit dem Knie oder mit dem Fuß. Das Wort “Eier” sprach sie natürlich nicht aus, es blieb bei vorsichtigen Andeutungen. Erst, als sie nicht nachließ mit ihrem Nachfragen, hätte man sie von der Gruppe weggeführt und “es” ihr gezeigt. Ganz abgesehen davon, daß es gerade bei einer nicht großgewachsenen Frau eher gefährlich ist, wenn sie derlei versucht – macht sie es mit dem Fuß, muß sie das Bein schon arg hoch strecken, und die Gefahr, entweder hinzufallen oder vom Aggressor am Bein gepackt zu werden, ist eine große, und wenn sie es mit dem Knie macht, muß sie ihm schon arg nahe kommen –, und daß sie insinnuierte, daß man ihr diese Methode nicht erklären wollte, um den potentiellen Angreifer zu schützen, aber sei dem, wie ihm wolle.

Dieser Monolog führte nur zu dieser gewissen Ermüdung, die sich bei solchen Themen und den dahinter erkennbaren Geisteshaltungen des öfteren einstellen. Spannend wurde es jedoch, als laut über Bekanntschaftsanzeigen nachgedacht wurde. Es ist immer wieder interessant zu sehen, wenn zwischen Mitteilungsbedürfnis und Zunge kein allzu großer Apparat des Reflektierens, des Sichtens und Gewichtens zwischengeschaltet ist. Aber was da aus diesem Munde kam, war dann nun doch in der Tat – wenigstens – hanebüchen. Es wurde also behauptet:

  1. Bekanntschaftsanzeigen von Männern seien oftmals sexistisch
  2. Bekanntschaftsanzeigen von Frauen seien nicht sexistisch

Wo, bitte, wenn nicht wenigstens noch auf der Partnersuche, darf man noch sexistisch sein? Muß man denn neuerdings, genderneutral und so, auch als rein heterosexuell ausgerichteter Mensch “eine/n Partner/in” suchen? Von wegen Antidiskriminierungsgesetz… Darf man nicht mehr (insgesamt oder auf Details bezogen) groß oder klein gewachsene Menschen suchen? Männer würden so suchen, sagte sie. Frauen nicht. Aha. Und dann wurde weiter aus dem Nähkästchen geplaudert. Sie selbst hätte ja sich einmal mit jemandem über eine Annonce gefunden und verabredet. Der hätte sich in der Anzeige als “gutaussehend” bezeichnet. Und dann hätte er Akne gehabt!

Klar. Wir Männer sind allesamt sexistische Schweine. Achten auf Äußerlichkeiten; suchen Paarungspartner auch nach sexuellen Kriterien aus.

Und warum ist die Bigotterie dann weiblich?

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