So’n Käse

Freilich, das bemühte Bonmot der Überschrift vermag wohl bei Menschen, die die Pubertät hinter sich gebracht haben, keine erhebliche Erheiterung hervorzurufen. Aber es geht nicht um die solide Trunkenheits- und Rotlichtfahrt unserer ersten Protestantin, Bischöfin Käßmann – nein, es geht um etwas ernsthaftes.

Im Dezember predigte sie gegen den Einsatz in Afghanistan, der von vielen Staaten weltweit getragen wird. Entweder merkte sie nicht, daß sie dadurch Partei wurde – dann ist sie vom Amt als Bischöfin und EKD-Ratsvorsitzende überfordert, oder aber sie merkte und wollte es, und dann usurpiert sie ihr Amt.

Aber im Januar machte die lustige Weltenerklärerin in der “Berliner Zeitung” ein paar Ansagen, die dann doch nicht mehr so einfach mit Überforderung oder Mediengeilheit harmlos wegerklärt werden könnten. Frau Käßmann brachte es fertig, den Krieg gegen Hitler für nicht gerecht zu erklären. Chapeau, liebe Margot! Das muß man erst einmal hinbekommen. Es ist ja auch wirklich ungerecht gewesen von den Tschechen, Slowaken, Polen, Dänen, Norwegern, Briten, Niederländern, Belgiern, Luxemburgern, Franzosen, Ukrainern, Weißrussen, Russen, Amerikanern, Juden und vielen anderen, sich gegen die Nazis zu wehren (so sie denn überhaupt dazu in der Lage waren). Wie konnten sie nur! Einfach so zur Gewalt greifen, das geht doch gar nicht… Warum hat Frau ich-sauf’-mir-einen-an-und-erzähle-dann-Geschichten diesen Vortrag noch nicht vor den letzten zwei oder drei Überlebenden des Treblinka-Aufstands gehalten? Warum hat sie noch nicht Marcel Reich-Ranicki darüber belehrt, daß beispielsweise die Juden des Warschauer Ghettos ihren Aufstand hätten gewaltfrei machen sollen (dann hätte SS-Mann Stroop nicht so viel Ärger mit ihnen gehabt)? Hat sie das den Londonern erzählt, die nach Käßmanns Meinung viel zu unchristlich auf deutsche Bomben, V1 und V2 reagierten, nämlich indem sie die Deutschen am Einsatz dieser Waffen hindern wollten? Hat sie das den Menschen von Lidice oder Oradour oder Guernica erzählt… – wohl nicht. Denn das billige Gelaber vom ungerechten Krieg erfährt sogar vom gutmenschlichsten GEW-Mitglied Widerspruch, wenn gewisse Grenzen überschritten werden.

Jene Frau Käßmann soll mit gut anderthalb Promille einen Wagen gesteuert haben. Dann überfuhr sie eine rote Ampel. Wir sehen also: Im Suff macht sie gefährlichen Unsinn. Vielleicht hatte sie auch beim BZ-Interview und bei ihrer “Überlaßt Afghanistan den Taliban”-Predigt einen im Tank? Der Gedanke liegt nahe.

Jedenfalls darf man geistige Verwirrung statt geistlicher Kompetenz hinter der Aussage vermuten, der Krieg gegen Hitler sei nicht gerecht gewesen. Die Alliierten hätten lieber die Opposition in Deutschland stärken sollen. Klar! Gegen Gaskammern, Einsatzgruppen und Peletons helfen Bet-Kreise und das “Unterstütztwerden” immer noch am meisten.

Das Böse, wir wissen es spätestens seit Hannah Arendt, ist vor allem die Abwesenheit von Empathie. Insofern nenne ich die Käßmann: böse.

 

Frau Bischöfin soll mit gut anderthalb Promille einen Wagen gesteuert haben. Dann überfuhr sie eine rote Ampel.

Frau Bischöfin war vielleicht auch besoffen, als sie meinte, es wäre gerechter gewesen, Hitler nicht zu bekriegen.

Das alles ist eine Schande. Ich begreife nicht, wie dieses Stück Zeitgenosse noch Unterstützung bekommen kann.

 

 

Übrigens, einer jener “ungerechten” Krieger hieß John W. O’Daniel, genannt ‘Iron Mike’. Er befreite Nürnberg. Aber nicht, daß jetzt irgend jemand denkt, wir hätten in Nürnberg eine O’Daniel-Schule, eine O’Daniel-Straße oder ein O’Daniel-Denkmal. Nichts dergleichen – wo kämen wir denn da hin, ungerechte Krieger zu ehren? Seit vorgestern gibt’s, wie ich bescheiden anmerken darf, endlich einen Wikipedia-Artikel über ihn:

http://de.wikipedia.org/wiki/John_W._O’Daniel

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