Thilo Sarrazins Buch ist da

Meine Buchhändlerin ist nett zu mir: ich habe Thilo Sarrazins Buch “Deutschland schafft sich ab” vor mir liegen – obwohl es erst am Montag erscheint. Ich gelobe feierlich, auch unter strengster Befragung der Anwälte der DVA nicht den Namen der Buchhandlung preiszugeben, die es wagte, mir das Buch vor dem offiziellen Verkaufsstart auszuhändigen!

Leider kam ich heute nur zu einer kurzen Lektüre. Aber ach, es sieht so aus, als gefiele mir Sarrazins Sprache durchaus, seine Thesen teilweise noch mehr und seine Grundhaltung ganz ausnehmend gut. In den Medien kommt er nicht mehr sehr gut weg, vor allem, seitdem gestern die Kanzlerin scharfe Kritik an dem Buch übte (vielleicht hat sie auch ein Vorab-Exemplar erhalten und es schon gelesen?). Auf www.spiegel.de wird Sarrazin nun in bewußter oder unbewußter Analogie zu Hitlers offiziös als Westentaschenschlachtschiffen bezeichneten Schlachtschiffen Scharnhorst und Gneisenau selbst als Westentaschen-Wilders bezeichnet. So weit, so peinlich. Daß der Verfasser jenes schmähenden Artikels (siehe hier: http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,713878,00.html) Yassin Musharbash heißt, mag passen oder auch nicht, aber die dort vorgeführte Abkanzelung Sarrazins wird nach einem doch etwas arg simplen Schema vollzogen. Dort ist von “Islamophoben, die sich selbst im Übrigen lieber ‘Islamkritiker’ nennen” die Rede – um schon mal klarzustellen, daß man den Islam als anständiger Mensch einfach nicht derartig grundlegend kritisieren darf. Man darf ihn nicht ein Hemmnis des friedlichen Zusammenlebens nennen, obwohl überall dort, wo Islam auf Nicht-Islam trifft, kein Friede herrscht, während dort, wo Nicht-Islam Version 1 auf Nicht-Islam Version 2 trifft, meistens keine Probleme auftreten. Der heute gelebte Islam – und ich spreche hier nicht von der Religion, sondern von den politischen Aspekten, die entweder dem Islam inhärent sind oder jedenfalls häufig mit ihm einhergehen – verkörpert einen Absolutheitsanspruch nicht nur Gläubigen, sondern auch Nichtgläubigen gegenüber. Wir haben in Europa Jahrhunderte gebraucht, um so weit zu kommen, daß wir Gott lästern dürfen. Nun kommt der Islam(ismus) daher, macht sich über uns Ungläubige und unsere Werte lustig bis zum Gehtnichtmehr, ist aber sofort tödlich beleidigt – und das ‘tödlich’ ist ernstzunehmen –, wenn jemand einen Witz über Allah, Mohammed oder Chomeini oder irgend etwas anderes macht. Erinnert man sich noch, wie Rudi Carrell in den 80ern alle Register der Schleimerei ziehen mußte, um nicht wegen eines harmlosen Scherzes über Chomeini von der islamischen Welt gejagt zu werden? Na, zurück zum Artikel im Spiegel: er ist eine üble Hetze. Warum? Weil dort Sarrazin und die, die ihn unterstützen – Henryk M. Broder, Necla Kelek u.a. – in die Nähe der FPÖ, ja: der NPD geschrieben werden. Das Ziel ist es, dem neugierigen Bürger somit zu signalisieren: “Spiel nicht mit den Schmuddelkindern, halte dich fern von ihnen!”. Aber das ist natürlich Unfug, Musharbash weiß das, jeder (der will) weiß das. Denn nicht nur, das Sarrazin ausgerechnet die Juden als Paradebeispiel gut integrierter Zuwanderer (des vorletzten Jahrhunderts) bezeichnet und erklärt, warum das so ist – nein, Sarrazin bejaht Zuwanderung, er findet ein lobendes Wort nach dem anderen für Asiaten, auch für deutsche Spätaussiedler, und er findet Worte der differenzierten Kritik für Zuwanderer aus dem früheren Jugoslawien, aus der Türkei, aus den arabischen Ländern. Er wirft besonders Letzteren vor, daß sie sich nicht integrieren wollen, sofern das Abstriche an ihrer bisherigen Lebensweise – die stark vom Islam(ismus) geprägt ist, erfordert. Das aber muß es ja, sonst wäre es keine Integration.

Ich habe dauernd diesen Spruch der “Borg” aus Raumschiff Enterprise (Voyager) im Kopf: “Sie werden assimiliert. Widerstand ist zwecklos.” So kommt es mir manchmal vor.

Es ist jedenfalls Unfug, Sarrazin in die rechtsextreme Ecke stellen zu wollen. Dieser Mann ist ganz offensichtlich kein Hetzer, sondern ein Aufklärer. So versteht er sich nicht nur selbst, so sollte er von allen verstanden werden. Man hat sich mit dem, was er schreibt, auseinanderzusetzen. Findet man ihn widerlegt – nun, dann mag man sich lustig machen. Aber vielleicht hat er ja mehr Recht, als uns allen lieb sein kann?

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