Ausgleichende Gerechtigkeit

Wenn man im Zentrum einer deutschen Großstadt wohnt, in einer Zone 30, dann erlebt man auch bezüglich des Verkehrs immer wieder spannendes. In unmittelbarer Nähe macht eine Straße auf 100 Metern drei Kurven. Rechts steht eine Kirche, links die Feuerwehr. Immer wieder können irgendwelche Mitmenschen ihre Hormone nicht zügeln und fahren schnell. Damit sind nicht 35 oder 40 oder meinetwegen noch 50 km/h gemeint, sondern zuweilen deutlich schneller.

Heute also ist wieder so ein aufheulender Motor zu hören, und dann ein schöner Knall. Trotz Bremsversuches war das Auto beim Aufprall noch so schnell, daß die Airbags aufgingen. Ein Mann um die 30, nennen wir ihn Y., steht kurz darauf neben dem kaputten Auto und guckt dumm. Naja. Später stellte sich heraus, daß es nicht einmal sein Wagen war. Das war kein schöner Donnerstag für beide…

2010.09.30. Kaputter Benz

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Nicht an ihren Worten, an ihren Taten sollt ihr sie messen

Es ist Unfug, wenn immer wieder gesagt wird, der Islam sei eine Religion des Friedens. Da mag der Gruß Salam Frieden bedeuten, da mag immer wieder auf die friedvollen Aspekte hingewiesen werden – das alles gibt es und ich anerkenne es auch; es ist keineswegs alles nur Camouflage. Aber an den Taten gemessen, stelle ich fest: der real gelebte Islam (Islam hier nicht auf den religiösen Aspekt beschränkt, sondern als sozio-kulturelle Gemengelage) ist nicht friedlich.

Wo islamische an nicht-islamische Staaten grenzen, gibt es weltweit viele Konflikte, die militärisch, terroristisch ausgetragen werden. Afghanistan, Tschetschenien, Jordanien, Syrien, Libanon, Somalia – die Liste ist lang. Mir fällt im Moment trotz aufrichtigen Bemühens kein interstaatlicher, bewaffneter Konflikt ein, bei dem nicht einer der beteiligten Staaten ein islamischer wäre. Nun möge man aber bitte nicht einwenden, daß es immer die islamischen Staaten seien, die angegriffen würden! Im Nahost-Konflikt sind es die islamischen Staaten, die den Krieg begannen. Im Irak war es Saddam Hussein, der erst den Iran angriff, dann Kuweit, dann Israel bedrohte. Nun ist es der Iran unter dem Perversen Ahmadinedschad, der wiederum ein Land bedroht, das ihm und seinem Staat nichts getan hat: Israel. Und so setzt sich das ganze traurigerweise fort.

Es sind vor allem die Bürger der islamischen Staaten, die unter der worst gouvernance solcher “Staatsmänner” wie Ahmadinedschad, Ghadaffi, al-Assad, al Baschir und wie sie alle heißen mögen, zu leiden haben. Also sind es auch sie selbst, die sich dieser Regime zu entledigen haben; das Ausland kann und wird immer nur dann aktiv werden, wenn es selbst konkret oder, dann aber in erheblichem Maße, abstrakt bedroht ist.

Vor allem ist es dringend geboten, daß die Masse der Moslems sich gut vernehmlich von denen distanziert, die Gewalt im Namen Allahs verüben. Wenn sie es nicht tun, wenn sie es vor allem dauerhaft nicht tun, dann mögen sie sich nicht beschweren, wenn man sie argumentativ mit in einen Topf wirft mit jenen anderen. Das wiederum ist zwar auch ein Messen an Worten, aber eben auch an Taten, denn was hier unter anderem zum Himmel stinkt, ist die Tat des Finanzierens. Die Geldströme, die täglich via WesternUnion und auf andere Weise aus dem verhaßten Westen in die den Terror unterstützenden oder duldenden Staaten gehen, sind ein konsequentes Aufmunitionieren jener Kräfte, die wir alle fürchten, denen wir uns alle entgegenstellen sollten.

(Der Tiel ist eine häufige Formulierung, deren Ursprung im Neuen Testament, 1. Joh. 2, 1-6, zu finden ist)

Aus der Provinz

Eine freie Reichsstadt, die unter dem Dreißigjährigen Krieg recht gelitten hat, beschließt 1650 die Errichtung eines den Frieden feiernden Denkmals. Außerdem reicht auf dem zentralen Marktplatz die Wasserversorgung nicht aus, also verknüpft man beide Projekte, Kunst und Brunnen, zu einem. Ein seinerzeit weltberühmter Künstler erhält den Auftrag und fertigt den größten Barockbrunnen nördlich der Alpen an. Als er fertig ist, hat unsere Stadt kein Geld mehr, ihn aufzustellen, und stellt ihn in einer Scheune unter, wo ihn die Bürger gegen Eintrittsgeld besuchen.

Gut hundert Jahre später erfährt der russische Zar von dem Kunstwerk und kauft es – für acht Millionen Euro, nach heutigem Wert, läßt ihn in eine seiner Residenzstädte bringen und dort aufbauen. In unserer Stadt bleibt das alles in Erinnerung, und wiederum hundert Jahre später klemmt sich ein bis heute populärer Bürgermeister hinter die Sache, er verhandelt mit dem Zaren über einen Rückkauf; der Zar aber lehnt ab. Nach einigem Hin und Her erhält man die Erlaubnis, Abdrücke zu machen, mit denen man einen Zweitguß anfertigen könne. Nun fehlt aber wieder das Geld. Der Bürgermeister spricht die reichen Honoratioren seiner Stadt an, und einer erklärt sich schließlich bereit, den Zweitguß sowie den Aufbau zu bezahlen. Er stellt eine Bedingung, nämlich daß das Kunstwerk dort aufgestellt werden müsse, wo es seit 1650 stehen solle: auf dem zentralen Marktplatz. Die Stadt nimmt diese Bedingung – natürlich – an. Als der Brunnen 1902 errichtet und feierlich eröffnet wird, ist man nicht nur in unserer Stadt, sondern im ganzen Land aus dem Häuschen. Postkarten zu Hunderten, Reiseführer zu Dutzenden – alle zeigen ihn stolz vor, alle rühmen ihn und seinen edlen Spender, der hohe Orden, Ehrenbürgerschaften und sogar einen niedrigen Adelsstand erhält. Happy End? Weit gefehlt!

1933 kommen die Nazis auch in unserer Stadt ans Ruder. Bald wird die Plakette, die an den Stifter erinnerte, entfernt – denn der Stifter war Jude. Bald danach geht die Hetze los, daß der Brunnen weg müsse, denn er sei von einem Juden bezahlt worden – und wird bald “Judenbrunnen” genannt. Ein Jahr später ist es dann soweit, der Brunnen wird abgebaut. Sogar ein bestelltes Gutachten, das einen plausiblen Grund liefern sollte, kam zur Auffassung: der Brunnen gehört dahin, wo er jetzt steht. Natürlich ließen die NS-Gewaltigen das Gutachten schnell im Archiv verschwinden. Nun freuten sie sich über den kahlen, leeren Platz… Allerdings war unser “Judenbrunnen” immer noch gut genug, um schräg gegenüber des Büros des mächtigsten Nazis vor Ort aufgestellt zu werden.

Als die Wehrmacht im Zweiten Weltkrieg die russische Residenzstadt einnahm, in der der Zar den Erstguß jenes Kunstwerks aufstellen ließ, baute sie ihn ab, verpackte ihn und schaffte ihn nach Nürnberg – wo nun auf einmal beide Brunnen waren. Nach dem Krieg entdeckte man den geraubten Brunnen und brachte ihn nach Rußland zurück.

Die Bürger unserer Stadt hätten nun in den Nachkriegsjahren den Brunnen wieder auf seinen angestammten Platz setzen können. Das aber taten sie nicht; statt dessen versetzten sie ihn von seinem nunmehrigen Standort in einen Park, der außerhalb der Innenstadt gelegen ist. Federführend dabei war übrigens ein Baureferent, der in der NS-Zeit schon ein fleißiger Mitarbeiter des Bauamts gewesen ist und die Wegverlegung vom Marktplatz befürwortet hatte… Ein Schelm, wer Arges dabei denkt.

Nun gibt es wieder Bestrebungen, den Brunnen auf seinen alten Ort zu bringen. Und wieder hört man all jene scheußlichen Argumente, die man auch 1934 schon hörte – naja, fast alle.

Es ist eines der größten Kunstwerke unserer Stadt. Es gehört auf diesen Platz, der sonst nur als Aufmarschgelände taugt. Er ist schön.

Wie die Stadt heißt? Das finden Sie hier: www.neptunbrunnen.info

Nassauer des Monats

Den schönen Titel “Nassauer des Monats” erhält ein Nürnberger Kunde der Deutschen Bahn. Da kauft er sich ein BayernTicket. Das ist ein besonders günstiges Ticket, mit dem man für 20 € durch ganz Bayern fahren kann – und zwar zu fünft! Macht also 4 € pro (Papp-) Nase. Benutzen darf man allerdings – herrje! wie gemein! – nur Züge der DB Regio Bayern. (Das BayernTicket gilt nur in der 2. Klasse. Das sollte man hinzufügen, falls irgendjemand meint, er könne für 4 € in der ersten Klasse im ICE fahren…)

Nun will er für seinen erheblichen Umsatz auch die Bonuspunkte der Bahn haben – so etwas ähnliches wie Meilen bei Fluggesellschaften. Und was sagt ihm die böse Bahn? Daß es das nicht gibt. So, wie es keine Meilen bei Extrem-Sonderangeboten beim Fliegen gibt, gibt es bei der Bahn für jemanden, der ein stark subventioniertes Ticket auf, auch keine Belohnung. Wozu auch? Danke sagen dafür, daß einer sich subventionieren läßt? Unser Nassauer des Monats findet das unfair (klar – sonst wäre er ja auch nicht Nassauer zu nennen) und schreibt der bösen Bahn eine eMail. Nun sitzt bei der Bahn jemand am PC, der ihm – leider – die unzutreffende Antwort gab, daß ihm die Punkte zustünden. Der Irrtum stellte sich schnell heraus, aber nun wirft die Abendzeitung Nürnberg der Bahn “Fehlanzeige” bei der “Kulanz” vor. Daran erkennt man: Sachverhalt nicht verstanden. Dann wirft die Abendzeitung der Bahn auch noch vor, daß unserer Pappnase eine “Entschädigung für den Organisationsaufwand” verwehrt wird. Böse, böse Bahn, du! Welchen Organisationsaufwand Pappnase ersetzt haben will, ist unklar. Er hat eine eMail geschrieben – nachdem er schon am Schalter korrekt erfuhr, daß es für dieses Angebot keine Punkte gibt. Was darf’s denn dafür als Entschädigung sein? Eine Jahreskarte erster Klasse? Ein Besuch vom Bahn-Chef Grube mit Kniefall?

Ich sehe ihn richtig vor mir, wie er sich aufplustert in seiner Wichtigkeit, wie er schnaubt vor Wut über den Moloch Bahn, wie er in seiner Stammkneipe auch noch nach dem sechsten Bier den bösen Sachverhalt herunterbetet, wie er durch die AZ-“Berichterstattung” mit einem Gefühl enormer Bedeutung durch die Stadt zieht und einem jeden von seinem Kampf gegen die Schlechtigkeit der Welt erzählt.

Und das alles, weil er für 4 € durch ganz Bayern fahren darf und dafür nicht noch einen Bonus bekommt.

Wahrlich, das ist der Nassauer im September 2010!

http://www.abendzeitung.de/nuernberg/lokales/213387

Bücher verbrennt man nicht. Aber man darf es.

Die geplante Koran-Verbrennung in Florida finde ich unanständig. So etwas tut man nicht.

Aber es gilt auch: so verkehrt diese geplante Aktion auch sein mag, so sehr hat jedermann das Recht dazu.

Das anzuerkennen, erwarte ich auch und gerade von jenen, die bei jeder sich bietenden Gelegenheit – beispielsweise dem erfolgten Mord an 3.000 Menschen – Flaggen der getroffenen Nationen verbrennen.

Wulffschanze, den 6. September…

Ich war durchaus eher für Wulff denn für Gauck als Bundespräsidenten. Das hat auch damit zu tun, daß ich mir bei Joachim Gauck nicht recht sicher war, ob er – was ich für zwingend erforderlich halte – Israel gegenüber eine positive Grundhaltung hat. Ich bin eben der Meinung, daß unsere Werte sich besonders darin zeigen, daß wir zu Israel stehen, und halte es deswegen für eine Prämisse richtiger Politik.

Und nun – ein Dürrenmatt-Abklatsch: Wullf gibt den Staatsanwalt, den Richter und den Henker in einer Person. Er klagte Sarrazin an und ermunterte die Bundesbank, zu handeln: “Ich glaube, dass jetzt der Vorstand der Deutschen Bundesbank schon einiges tun kann, damit die Diskussion Deutschland nicht schadet – vor allem auch international”, sagte der Bundespräsident. Das ist eine kaum noch verklausulierte Aufforderung, Sarrazin rauszuschmeißen. Als Wulff dann auffiel, daß er selbst am Ende die Entlassung verfügen würde, wurde ihm wohl doch etwas bange angesichts der Parodie auf ein ordentliches Verfahren, das ihn schlecht aussehen ließe. Also fordert er nun eine Stellungnahme von der – na? genau: von der Bundesregierung. Das ist die nächste Absurdität. Wie manche vielleicht noch wissen (viele scheinen es vergessen zu haben), ist eine der wichtigsten Voraussetzungen für eine erfolgreiche Arbeit der Bundesbank, daß sie unabhängig ist. Wenn nämlich die Bundesregierung Einfluß auf die Geldstabilitätspolitik der Bundesbank nehmen könnte, dann bräuchten wir keine Bundesbank, weil es dann die Bundesregierung gleich selbst machen könnte. Dann allerdings wäre die DM niemals eine der stabilsten Währungen aller Zeiten geworden, und der Bundesbank-Beitrag zur Stabilität des Euro wäre ebenfalls nicht erbracht worden. Also hat die Bundesregierung dazu nichts zu sagen. Was aber tut Frau Merkel? Jawohl, sie redet – besser: sie läßt reden, wozu hat man schließlich Regierungssprecher? Und zwar folgendes: “Die Bundeskanzlerin hat die unabhängige Entscheidung des Bundesbankvorstandes mit großem Respekt zur Kenntnis genommen”. Falls Ihnen nichts aufgefallen ist, dann sehen Sie sich bitte noch einmal das fünfte Wort des Zitats an. Frau Merkel tut also so, als wäre die Bundesbank unabhängig zur Entscheidung gelangt, Sarrazin abberufen zu wollen. Nun – das ist sie nicht. Vielleicht wäre sie es, aber dazu hatte sie gar keine Chance. Zu schnell ist Frau Merkel zu hören gewesen mit ihrer Aufforderung, Sarrazin zu entlassen; zu schnell verurteilte sie – ein wohl einmaliger Vorgang in der Bundesrepublik Deutschland – Sarrazins Buch (was ihr unter anderem den Vorsitz ehrenhalber der Reichsschrifttumskammer einbrachte, jedenfalls den Titulierungen des deutschen Feuilletons nach).

Und nun ist dem Schülersprecher in der Wulffschanze etwas ungemütlich – hat er doch gemerkt, daß er alleine daheim sitzt, die Reise nach Jerusalem spielt, jedoch keinen Stuhl hat. Wenn die Musik abreißt, wird er sich nicht setzen können, sondern für alle erkennbar als Verlierer im Raume stehen. Dumm, daß er selbst dieses Spiel begonnen hat.

Das alles ist schon passiert. Was aber noch passieren kann – oder eben nicht –, ist, ob diese Geschichte auch einfach ausgesessen werden kann oder ob sie – endlich einmal! – Resultate zeitigen wird, die zu einer erfreulichen Veränderung führen werden.

Was uns not tut

Wir brauchen eine un-ossi-fizierte, neue, demokratische, anti-antisemitische, anti-homophobe, anti-frauenverachtende, freiheitliche, liberale, bürgerliche und somit zwangsweise islam- und 68er kritische neue Partei.

 

(Das ist nicht von mir. Das schrieb Katharina Szabo auf http://tapferimnirgendwo.wordpress.com/2010/09/03/was-ich-lustig-finde/#comment-1682)