Bunte Welt

Die Welt war wohl schon ab urbe condita absurd, aber sie wird es immer mehr. Ein kleiner Ritt durch die heutigen Meldungen:

SPIEGEL online: http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,736850,00.html

Plan für Passagierselektion empört Politiker

Was empört Politiker? Ein Vorschlag des künftigen Präsidenten des deutschen Flughafenverbands (weder vom Verband noch vom Präsidenten Christoph Blume habe ich je etwas gehört, aber das will nichts heißen), nämlich Passagiere nach Risikogruppen einzuteilen. Der Vorschlag klingt recht logisch – weder sind alte Omas in Flügen nach Rom noch Teenager auf dem Weg nach Mallorca in der traurigen Geschichte von Anschlägen auf Flugzeuge je negativ aufgefallen. Der Terror ist eher männlich als weiblich, hauptsächlich zwischen 20 und 40, und kommt selten als angeheiterter Lounge-Gast daher. Es ist doch nur vernünftig, jene Menschen mit mehr Aufmerksamkeit zu behandeln als andere, von denen kaum ein Risiko ausgeht. Oder glaubt jemand, man täte der Luftsicherheit einen Gefallen, visierte man den Papst? Gewiß, der Vorschlag hat auch seine Grenzen: Al Quaida wird das merken und künftig eben Kinder auf Verwandtenbesuchsreise mit Sprengstoff vollstopfen, oder der Oma C4 in die Krücken füllen. Es ist klar, daß man damit kein Allheilmittel zur Hand hat; aber einen gewissen Nutzen mag das durchaus haben. Was aber bringt einen scham- und anstandslosen Radaubruder wie Dieter Wiefelspütz von der SPD dazu, hier von “Selektion” zu reden?

Na klar: weil die Israelis es so machen. In Tel Aviv werden die Sicherheitsmaßnahmen individuell gehandhabt. Natürlich werden dort Araber gründlicher überprüft als, sagen wir, eine alte Oma aus New York. Das ist logisch – und es funktioniert. In Tel Aviv ist noch keiner mit Bomben, Pistolen oder Teppichmessern ins Flugzeug gekommen. Wir aber kontrollieren erkennbare Risikogruppen lieber nicht etwas gründlicher und fühlen uns ganz toll dabei. Aber ein Wiefelspütz (Was für ein Name! Was hätte der alte Wehner nicht alles daraus gemacht!) spricht von “Selektion”. Das mit Auschwitz ist den Juden ganz schön unter die Haut gegangen – hört man ihn beinahe denken. Damals wurden sie selektiert und, ha!, heute selektieren sie…

Auch der Herr Polenz von der CDU äußert Dämliches – als Jura-Student hat er wohl noch mehr geschwänzt als ich, denn er bringt das “Argument” an, daß das nicht ginge, weil vor dem Gesetz alle gleich seien. Sancta simplicitas! Hier steht keiner “vor dem Gesetz”, sondern vor der Bundespolizei. Und die kontrolliert, wie jede Polizei, nach Sachlage. Warum wohl werden im Vorfeld von Bahnhöfen Omis mit Rollator nicht nach ihrem Ausweis gefragt, herumlungernde Jugendliche aber schon? Wird hier nicht auch das Grundgesetz verletzt? Ist das nicht auch Selektion? Warum kontrolliert die Polizei einen in Schlangenlinien fahrenden Autofahrer, aber nicht den Biedermann in seinem Golf, der brav fährt? Selektion! Gleichheit für alle!

Ach, in diesen Hirnen ist so viel verkehrt, man hat gar nicht die Zeit und den Raum, das alles geradezurücken.

Henryk M. Broder wechselt zum Springer-Verlag

Der SPIEGEL driftet seit längerem in Gefilde ab, in denen nicht mehr die Welt geschildert wird, wie sie ist, sondern so, wie sie sein soll. Für jemanden, der andere wissentlich und vorsätzlich mit HIV ansteckt, findet der SPIEGEL Worte des Verständnisses (war auch eine Frau, kein Mann – also Opfer, nicht Täter). Die USA sind beinahe so böse wie Nordkorea. Für Castro hat man romantische Gefühle. Putin bastelt am Rechtsstaat. Wenn die CSU nur noch 40 % plus X hat, ist sie laut SPIEGEL auf dem Weg in die Bedeutungslosigkeit, während eine SPD um 20 % immer noch wacker als Volkspartei bezeichnet wird, und so weiter und so weiter…

Der SPIEGEL verdient den Broder nicht mehr. Ich freue mich über diesen Wechsel. Wenn ich aber bei SPIEGEL online die Kommentare der Leser lese, dann steigt mein Blutdruck. Dieser miese, linke Antisemitismus, der da zum Vorschein kommt, ist in seiner Erbärmlichkeit beinahe noch unerträglicher als der rechte.

Götz George will seinen Nazi-Papa reinwaschen

Ist es Alterssenilität? Ist es das Kinski-Syndrom? Der neben Udo Jürgens wohl bekannteste deutsche Berufsjugendliche in den 70ern, Götz George (“Scheiße”), will seinen Nazi-Papa nun endlich vom braunen Dreck befreit sehen. Und er will das in einem Film machen, denn davon versteht er etwas (meint er). Er will ihn auch selbst spielen! Ödipus hätte seine Freude daran. Was er mit seiner Mama machen will, erfahren wir nicht – wollen wir auch nicht. Aber daß sein Vater “völlig zu Unrecht” (George) als NS-Darsteller hingestellt werde, das wurmt ihn schon. Klar. Ich warte nur darauf, daß Gudrun Himmler noch ankommt und sich beschwert, daß ihr Papi in den Geschichtsbüchern immer geschimpft wird, wo er doch so ein lieber war…

Hier ist einmal ein wirklich spannender Link: Heinrich George im NS-Fernsehen (ja, das gab’s schon in den 30ern). Ein Drei-Minuten-Ausschnitt, der uns den Mann so zeigt, wie er war. Ein Nazi? Der? Niemals!

Man sehe sich den Nicht-Nazi hier an: http://www.youtube.com/watch?v=RGerEgBiyXY

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