Warum ein Sohn nicht seinen Vätern folgen sollten

Rudolf Augstein war nicht nur ein guter Kaufmann, geschickter Unternehmensführer, vermögend gewordener Mann – nein, er war auch ein hervorragender Journalist. Man mag mit seiner Meinung nicht immer sympathisiert haben, aber die Qualität seiner journalistischen Arbeit wird man ihm auch dann nicht absprechen können.

Martin Walser ist ein vielgerühmter deutscher Schriftsteller

Privat lief nicht alles gleichermaßen gut wir im Berufsleben. Augstein nahm den Nachwuchs Jakob als seinen eigenen Sohn an; der Vater war wohl Walser. Nun wuchs Jakob Augstein also bei einem Ziehvater auf. Das ist kein Stigma; wäre der Name Augstein nicht so bekannt, würde niemand danach krähen. Da aber zusätzlich zur Prominenz und dem Vermögen der junge Augstein auch schreibend so etwas ähnliches wie in die Fußstapfen von Rudolf Augstein treten möchte, erkennt man, wofür solche Gemengelagen zuweilen gut sein können, besser: schlecht sein können.

Der alte Augstein war ein guter Journalist. Er hatte auch seine Meinungen, und die waren den meisten seiner Artikel auch anzumerken, aber er war auch ein guter Journalist. Jakob Augstein hingegen leidet an der deutschen Krankheit: er hat einen Berg von Meinungen, die er qua Geburt wahrnehmbar in die weite Welt hinauszuposaunen die Möglichkeit besitzt, aber er hat offenkundig weder das Wissen noch die Nüchternheit noch die Fähigkeit zu einem abgewogenen Urteil – all dies aber sind unabdingbare Voraussetzungen dafür, eine ernstzunehmende Meinung überhaupt erst zu entwickeln.

Meinungen, die ohne solches Fundament daherkommen, die diesen Mangel mit einem Übermaß an Tendenz auszugleichen suchen – was freilich nicht funktioniert -, sind keine Meinungen, sondern lediglich Geblubber. Oder, wie es im Namen der Rose der alte Jorge von Burgos dem darüber amüsierten William von Baskerville vorwirft: er läßt Maulfürze fahren.

Man lese dies: http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,786383,00.html

Wieder macht sich hier ein Deutscher auf und erklärte den Israelis, worin sie gefälligst ihre Interessen zu sehen hätten: „ohne Rücksicht auf die Verhältnismäßigkeit der Mittel das durchzusetzen, was sie für die Interessen Israels hält. Und wie schon so oft zuvor hat sie diesen Interessen damit einen schlimmen Dienst erwiesen“. Man hätte sich Ägypten entfremdet: “ Der jüdische Staat hat keine Sekunde lang einen Zweifel daran gelassen, dass es ihm lieber gewesen wäre, der Diktator Mubarak wäre noch im Amt. Was war das für ein verheerendes Signal an die Massen, die in den arabischen Ländern nun endlich das Joch der Despotie abwerfen! Wie viel klüger wäre es gewesen, die Chance des Wandels zu ergreifen und den Aufständischen die Hand für einen Neuanfang der arabisch-israelischen Beziehungen entgegenzustrecken! Aber dafür hätte Israel in den vergangenen Jahren sein palästinensisches Problem lösen müssen.“

Was redet der Mann? Jeder weiß – man kann es auch bei Hamed Amed-Sabdal nachlesen, siehe Entweder-Broder -, daß es der sogenannte arabische Frühling ist, der wie üblich die anitiisraelischen Reflexe bedient. Nach Augsteins Meinung hätte Israel wohl nach der Erstürmung der israelischen Botschaft in Kairo dort einen Tag der offenen Tür einrichten sollen…

Israel stütze Mubarak nicht. Israel unterstützt eine konstruktive Nachbarschaftspolitik mit den wenigen Nachbarn, die daran ebenfalls interessiert sind – so trifft dies etwa auf Jordanien zu, dem Israel über Haifa Zugang zum Mittelmeer gibt. Was Israel aber zurecht fürchtet, ist, daß die nach der euphorischen Aufbruchsstimmung nun allmählich ernüchterten Völker des Maghreb und Ägyptens auf den ältesten aller Budenzauber und das verkommenste aller Ablenkungsmanöver hereinfallen: Die Juden sind schuld! Ins gleiche Horn pustet dieser vielversprechende Augstein-Walser-Sproß und folgt damit seinem einem Vater nach. Augstein ist ein Antisemit. Vielleicht aus mangelnder Bildung heraus, aber der Grund, warum einer Antisemit ist, ist mir ziemlich gleichgültig.

Zweifel an diesem Postulat? Dem kann abgeholfen werden! Im verlinkten Artikel schreibt  Augstein: „Israel hat Freunde in Europa. Aber auch die werden dem Land nicht beistehen können, wenn es sich in eine offene Auseinandersetzung mit einem der Nachbarstaaten manövriert oder gar mit der Türkei. Ob Starrsinn, Hochmut, Selbstüberschätzung, Ungeschicklichkeit oder eine Mischung aus allem verantwortlich ist, wird dann keine Rolle mehr spielen.“ Er droht also Israel an, daß es auch von seinen Freunden nicht mehr unterstützt werden würde – na, was soll’s, wer den Jakob Augstein zum Freund hat, braucht sich keine Feinde mehr zuzulegen. Und wir erfahren, daß Israelis – die man natürlich und nicht ganz ohne Grund in pars pro toto mit Juden gleichsetzt – starrsinnig, hochmütig, selbstüberschätzend und ungeschickt sind. Das erinnert schon sehr an einige Aufsätze des Joseph Goebbels.

Daß Augstein dazu aber noch die Chuzpe hat, sich als Freund Israels aufzuspielen, müßte einem Menschen mit einem Rest von Anstand die Schamesröte ins Gesicht treiben.

Diese Unverschämtheit Augsteins erinnert an folgenden jüdischen Witz:

Ein Mann steht vor Gericht, der seine beiden Eltern erschlagen hat. Am Ende der Verhandlung erteilt der Vorsitzende ihm das letzte Wort. „Hohes Gericht! Habt’s Erbarmen mit mir armem Waisenkind!“

 

 

 

 

 

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