Herman Cain

Herman Cain

Herman Cain

Seit Wochen konnte man in amerikanischen Medien die zunehmende Popularität von Herman Cain als Bewerber um die Präsidentschaftskandidatur der GOP verfolgen. Ob er tatsächlich der Kandidat der Republikaner werden wird, ist schwer abzuschätzen. Vieles spricht dafür; manches dagegen.

Für Cain als Kandidaten spricht: Der Mann kann reden – und er hat etwas zu sagen. Seine Ausdrucksweise folgt vielleicht eher simplen Regeln, aber dafür sind die von ihm gemachten Aussagen nicht gefälliges Bramarbasieren, sondern klare Statements. Während viele seiner Mitbewerber um die Kandidatur typische Flip-Flop-Kandidaten sind, die kaum je klar Ja oder Nein sagen, sondern sich bemühen, es sich mit keinem potentiellen Wähler zu verscherzen, indem sie jedem Ja oder Nein alsbald ein Aber folgen lassen, riskiert Cain es, diesen oder jenen Wähler zu vergrätzen, aber dafür andere um sich mehr für sich einzunehmen.

Es ist klar: das deutsche Feuilleton, die prima facie wahrnehmbaren deutschen Medien sind sogleich bemüht, Cain lächerlich zu machen. Cain war als Vorstand einer staatlichen Zentralbank, als Vorstand von Burger King, als Vorstandsvorsitzender und Miteigentümer von Godfather’s Pizza sehr erfolgreich. Jedoch wird hierzulande weniger gerne betont, daß und wie erfolgreich er war – so sanierte er Godfather’s Pizza, den größten amerikanischen Pizza-Lieferdienst, der als unrettbar der Insolvenz verfallen galt, als Cain übernahm. Und weil beispielsweise DIE  WELT, trotz zuweilen guter journalistischer Arbeit, über einen wie Cain nichts Gutes schreiben will, wird festgestellt, daß unter Cain die Zahl der Filialen dieses Unternehmens von 640 auf gut 500 sank. Kein Wachstum, so die insinuierte Behauptung: „Ein Steve Jobs der Pizzabäcker war Cain kaum“. Was im Übrigen niemals jemand behauptete. Die durch diesen sinnlosen Satz ausgedrückte Feststellung ist natürlich unwahr, denn die Ausgangsbasis, die Bemessungsgrundlage, kann nicht 640 sein – die muß 0 sein. Ohne Cain gäbe es dieses Unternehmen heute nicht mehr.  Er hat also 500 Filialen erhalten. In den USA bestreiten nicht einmal seine politischen Gegner Cains Erfolge; derlei saugt sich ein von Wissen über wirtschaftliche Zusammenhänge offensichtlich weitgehend entledigter Redakteur aus der Nase, um das Haar in der Suppe zu finden. Daß es ohne Cain die ganze Suppe nicht geben würde, ficht diesen Großmeister der Analyse natürlich nicht an…

Cain vertritt klare amerikanische Werte. Er ist nicht so wie die mir etwas verbiestert, böse und gefährlich scheinende Michele Bachman, die doch tatsächlich in den Schulen den Creationism gleichberechtigt zur Evolution lehren lassen will (was mit amerikanischen Werten nichts mehr zu tun hat, denn die Trennung von Kirche und Staat muß auch zur Folge haben, daß Religliöses, also: Glaube, von der Schule nicht als Wissen vermittelt werden darf). Diese Frage ist für Präsidenten zwar unerheblich, da Bildung in den USA wie bei uns Ländersache ist, aber wer derlei tatsächlich ernsthaft erwägt, gehört meiner Meinung nach eher in die Esoterik-Abteilung von Thalia als ins Weiße Haus. Er – Cain – ist nicht so beliebig wie Mitt Romney, der seine Meinung schneller ändert als seine Redenschreiber mitkommen, und der gegen Obama antreten will, obwohl er die grundsätzlichen Aspekte von Obamas Politik nicht wirklich kritisiert und selbst ähnlich regierte (auch ähnlich erfolglos). Er – Cain – ist nicht ein derartiger Ausfall in öffentlichen Auftritten wie Rick Perry, dem die eigenen Anhänger schneller davonlaufen, als Meinungsumfragen veröffentlicht werden, oder so alt(erstarrsinnig) wie Ron Paul, der eher irrlichtert und Meinungen irgendwo zwischen Newt Gingrich und Nancy Pelosi vertritt.

Ferner überraschte Cain Freund und Feind mit seinem 9/9/9-Plan: 9 % Einkommenssteuer für alle, 9 % Körperschaftssteuer für alle Unternehmen, und 9 % Bundesumsatzsteuer (die es in den USA bisher nicht gibt; Umsatzsteuer erheben bisher ausschließlich Staaten, Gemeinden und Counties). Nun wird dieser Plan heftig diskutiert; er erhält von Politikern und Wirtschaftswissenschaftlern wie Wirtschaftsführern Zustimmung und Ablehnung. Die Tea Party ist teils dagegen – mit der aus ihrer Sichtweise nachvollziehbaren Begründung, daß mit der Bundesumsatzsteuer eine neue Steuer eingeführt wird, und man keineswegs sicher sein kann, daß der Congress sie nicht bei nächster sich bietender Gelegenheit erhöhen wird. Das sind nachvollziehbare Vorbehalte, auf die man aber auch gute Antworten finden kann.

Was Cain von allen anderen Kandidaten – und, schlimm ist es, das festzustellen, von Präsident Obama – unterscheidet, ist, daß er einen Plan hat. Die anderen Kandidaten ergehen sich in unklaren Schwurbeleien ohne Gehalt. Deswegen werden diese anderen Kandidaten auch – nachvollziehbar und zurecht – als beliebig wahrgenommen, auch in gewissem Maße als unehrlich. Wer Cains Argumenten nicht zu folgen vermag, der soll ihn auch nicht wählen – und der, der Cain wählt, weiß, was er bekommen wird.

Cains 9/9/9-Plan entspringt einer klaren, wirtschaftsfreundlichen Sichtweise. Einer von Cains stets wiederholten Grundsätze lautet, daß man beim Zug der Wirtschaft dafür sorgen muß, daß die Lok ausreichend unter Dampf steht – dann ist auch genügend Leistung da, um viele Waggons zu ziehen und um diese angenehm zu heizen. Wenn aber die Lok nicht hinreichend unter Dampf steht, dann riskiert man den Fortbestand des Zuges an sich. Das mag man für eine simplifizierende Ausdrucksweise halten – gut und schön, aber es zeigt, woran Cain glaubt: an den Markt. Dieses Vertrauen in die Kräfte des Marktes, die sich seit eh und je erwiesen haben, unterscheidet Cain von Obama, der zunehmend wirklich sozialistische Ansätze verfolgt.

Cain ist, last not least, ein wirklicher Freund Israels. Keiner, der sich mal eben so bezeichnet und danach die Völkermörder von der Hamas hofiert; keiner, der seinen latenten Antisemitismus, wie auch beim deutschen, linken Mainstream üblich, hinter dem Nachplappern palästinensisch-blöder Propaganda und vorgeblicher Israel-Kritik zu verbergen sucht, sondern ein klarer Vertreter der Erkenntnis, daß der, der Israel beisteht, die Interessen der westlichen Welt vertritt.

http://www.hermancain.com/h

Diese Seite ist einen Besuch wert. Und, nebenbei bemerkt: Keine Sorge vor den Spendenaufrufen. Im amerikanischen Wahlkampf sind grundsätzlich Spenden aus dem Ausland verboten.

Cain stammt aus der Arbeiterschicht; sein Vater hatte drei Jobs, um die Familie durchzubringen. Er besuchte keine der berühmten Unis mit weltweit bekanntem Markennamen, sondern eine normale Uni. Aus Atlanta stammend, dem Sitz von Vom Winde verweht, Coca Cola und CNN, hat Cain sich aus einer benachteiligten Gruppe bei schlechter Ausgangsbasis emporgearbeitet und ist damit die Verkörperung des Amercian Dream.

Die politischen Überzeugungen Cains sind im Großen und Ganzen schnell aufgezählt: Demokratie, Freiheit, Verantwortung. Er ist im Zweifel kein Ideologie, sondern Pragmatiker. Er hält viel von einem möglichst frei agierenden Markt. Cain ist ein erklärter Gegner des Islamismus.

Er ist damit der Gegenentwurf zu Barack Obama, der in der Aufzählung lediglich eine Gemeinsamkeit aufzuweisen hat: auch Obama ist sicherlich ein Verfechter der Demokratie – aber das war’s dann auch schon.

Cain hält den – wie Joachim Gauck richtig bemerkt: unsäglich albernen – Demonstranten an der Wall Street entgegen, daß sie zwar aus den falschen Motiven heraus und aufgrund mangelnden Wissens und Verständnisses demonstrieren gehen – wenn sie aber schon die Meinung vertreten, die sie zu haben vorgeben (obwohl die wenigsten sie erklären können), dann allerdings demonstrierten sie am falsch Ort. Nicht Wall Street, NY, sondern 1600 Pennsylvania Ave., D.C. sollte der Demonstrationsort sein, denn dort sind die Dinge vermurkst worden, die von den Demonstranten beklagt werden.

Verglichen mit vielen anderen Politikern, hat Cain eine großartige Weise, Fragen zu beantworten. Er weicht nicht aus, er sagt Ja oder Nein: „The answer is yes, and I will tell you why. First…, second…, third…“. Das ist natürlich simpel, das ist in Teilen der Wahlkampfsituation geschuldet, aber es ist – und das ist der große Reiz dieser schnörkellosen und die Argumentation nicht schuldig bleibenden Rhetorik – eine klare Ausdrucksweise. Wer deren Vorteil nicht erkennt, der sollte sich einmal entsprechende Äußerungen der anderen Kandidaten zuführen; dann wird das um so deutlicher.

Gegen Cain spricht womöglich, daß er nie ein politisches Amt, nie ein Wahlamt inne hatte. Aus der Sicht so mancher Amerikaner ist das eher ein Vorteil. Fest aber dürfte stehen, daß hier Routine im Umgang mit politischen Institutionen nicht vorhanden ist. Cain ist jedoch erfahren darin, große Apparate zu führen. Ist hier die Gemeinsamkeit größer oder die Verschiedenheit? Das ist nicht leicht zu beantworten. Cain erwidert darauf: Erfolgreiche Menschen wissen nicht auf alles die Antwort, aber sie wissen, bei wem sie sich bedienen müssen, um die richtige Antwort geben zu können. Jeder, der im Wirtschaftsleben in einer Führungsposition ist, weiß: das ist absolut zutreffend. Der Verteidigungsminister, um es an einem Beispiel zu erläutern, braucht kein guter Soldat zu sein – er muß ein guter Behördenleiter sein. Das traue ich Cain rundum zu.

Natürlich besteht die Möglichkeit, daß ein anderer Kandidat Cain noch den Rang abläuft – die Ermittlung des Kandidaten, der gegen Obama antreten wird, dauert noch etwa vier Monate. Es kann auch niemand ausschließen, daß Cain Fehler begeht, die ihn aus dem Rennen werfen. So aber, wie es sich aktuell darstellt, ist Herman Cain nicht nur der richtige Kandidat für die GOP, sondern der richtige 45. Präsident der USA.

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Nun, das war ja wohl nichts. Nach der sehr früh geäußerten Mutmaßung, Jeb Bush könnte ins Rennen gehen, habe ich mir nun die zweite Fehlprognose erlaubt. Nun sieht es nach Newt Gingrich aus, aber der Weg ist noch lange. Ich halte mich mal lieber mit weiteren Prognosen zurück…

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