Der Bundespräsident

…, gelegentlich auch Buprä genannt, wird vielleicht bald ein anderer sein. Derzeit sieht es so aus, als käme unser aller Buprä aus der Malaise nicht mehr heraus. Zeitungen schreiben andeutungsvoll, Internetportale offen über ein promiskuitives Leben der Buprä-Gattin vor einiger Zeit. Nun geht das meines Erachtens niemanden etwas an. Wenn es nicht so war, ist es eine unfaßbare Sauerei – und wenn es so war, dann ist es eine Unanständigkeit, derlei zu schreiben. Was geht’s uns an? Darf Frau Wulff ein Leben vor ihrer Ehe gehabt haben? Na also.

Das Problem, das man hier erkennt, ist ein schwerwiegendes: die Presse ist nicht demokratisch legitimiert. Sie fungiert aber tatsächlich als vierte Gewalt und entscheidet über Wohl und Wehe so manchen Lebensweges.

Ganz anders aber verhält es sich mit den Machenschaften des Buprä selbst. Wer als Saubermann auftritt, hat sauber zu sein. Wer sich, was Wulff tat, über irgendwelche Reisekostenabrechnungen von Johannes Rau öffentlich ereifert („Ich leide physisch darunter“) und davon spricht, daß der Mann dadurch für gewisse Ämter – wie das des Buprä – nicht mehr geeignet sei, der muß eben nun selbst erkennen: es geht nicht mehr.

Einem Franz-Josef Strauß hätte derlei nicht wirklich geschadet, einem Gerhard Schröder nicht, einem Joschka Fischer oder einem Helmut Kohl. Nicht nur, weil diese eher barocken Politikertypen dickfelliger waren, als Wulff es ist – nein, sondern weil sie nicht so herumgeeiert hätten. Wie leicht hätte Wulff diese Sache überstehen können! Eine kleine Pressemitteilung, nachdem er das Privatdarlehen durch eine normale Baufinanzierung abgedeckt hatte, und die Sache wäre durch gewesen. Ob an der Sache selbst etwas dran ist, wird man noch sehen – ein Gschmäckle hat sie auf jeden Fall. Woran aber wirklich etwas auszusetzen ist, das sind Wulffs Verschleierungs- und Vernebelungsversuche. Das disqualifiziert ihn für dieses Amt, theoretisch zumindest. Die SPD macht sich nicht wirklich über die Causa Wulff her, weil sie die Mehrheit in der Bundesversammlung wohl nicht zusammen brächte – und weil ihr potentieller Kandidat Gauck zwar im bürgerlichen Lager durchaus anerkannt wird, aber im Lager des linksreaktionären Gutmenschenpacks (FR-Leser, GEW-Funktionäre etc.) eben nicht. Und da ist Pop-Sigi vor, sich solch ein Eigentor zu schießen! Auch ist in stimmungsmäßig schwieriger Lage der Bundeskanzlerin ein schwacher Bundespräsident lieber als ein starker (der Wulff auch ohne sein Skandälchen niemals geworden wäre). Ohnehin stellt sich die Frage, wie man nur einen Menschen zum Buprä machen konnte, der die einzig wirklich unabdingbare Qualifikation für dieses Amt nicht einmal auf Klassensprecherniveau vorweisen kann: die Fähigkeit zur öffentlichen Rede.

Einen Rücktritt Wulffs bedaurte ich sogar, in gewissem Rahmen. Er trüge nicht zur Stabilisierung unseres von vielen mittlerweile in Frage gestellten Systems bei. Wulff hat sich insbesondere in Polen und Israel einen guten Namen gemacht. Andererseits jedoch ist dieser Buprä auch mit meines Erachtens unpassenden Äußerungen zu Integration und Islam(ismus) mitverantwortlich für die Zerfaserung der Staatsräson geworden, und insofern wäre ich froh, ginge Wulff.

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One Response to Der Bundespräsident

  1. Hartmut says:

    Guter Blog, gefaellt mir sehr. Auch gute Themen.

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