Mit Sauce…

…kann man alles zukleistern, Döner und Standpunkte. Im Blog „Muslimische Stimmen“ findet sich ein längerer Beitrag des Journalisten Christian Rother. Als promovierter Philosoph beschäftigt er sich darin mit Henryk M. Broder. Kurz gesagt wirft er Broder vor, in seiner Islamkritik alles Mögliche miteinander zu vermengen und deutliche Festlegungen inhaltlicher, sachlicher Art zu vermeiden. Dabei macht Rother in seinem Blog eben genau das, was er Broder zu Unrecht vorwirft. Hier die Replik:

Nein, Herr Rother, da ist vielfach zu widersprechen. Sie beziehen sich auf Kritikpunkte, die Sie gegen Herrn Broder anführen, schlußfolgern daraus aber auf Allgemeines, auf Kritik am Islam/ismus. Etwa nach dem Motto: „Broder kritisiert den Islam/ismus; wenn ich nun nachvollziehbare Kritik an Broder übe, dann widerlege ich dessen Islam/ismus-Kritik“.

Broder weist zurecht darauf hin, daß sich der Islam (als Gesamtheit der z.B. in Deutschland lebenden Muslime) und der Islamismus zueinander verhalten wie eine Lok und die Waggons eines Zuges. Der ganz normale, persönlich friedliche und wohl friedfertige Moslem tötet keine Andersdenken, er massakriert keine Menschen, die den Islam ablehnen, er baut keine Bomben, um sie in vollbesetzten Vorortzügen zum Dahinsprengen vieler Menschen einzusetzen. Aber: Wenn Islamisten dies tun, dann steht er nicht auf und setzt sich dagegen zur Wehr. Dann verfaßt er keine Aufrufe im Internet, die das verurteilen.

Der Vorsitzendes des recht anmaßend sich so nennenden „Zentralrats der Muslime in Deutschland“, Mazyek, befürwortet die Geltung der Scharia in Deutschland und spricht dabei stets von denjenigen Scharia-Regelungen, die angeblich rechtsstaatskompatibel sein sollen; befragt man ihn nach den Scharia-Aspekten, die definitiv nichts anderes als brutal, frauen- und menschenverachtend sind, dann weicht er aus. Ich habe noch keine Stellungnahme von Herrn Mazyek gehört, die mich an seiner von mir mal so genannten Haltung „Scharia statt Grundgesetz“ zweifeln läßt.

Die Religion Islam enthält in ihren Schriften, allem voran natürlich dem Koran, außerordentliche intensive Aufrufe zum Haß. Wenn auch nicht solche Stellen, so gibt es aber doch in der Bibel, vor allem (aber nicht nur) im Alten Testament durchaus auch Stellen, die heute allgemein höchst kritisch gesehen werden. Und was machen die Kirchen, was macht das Judentum? Man setzt diese Stellen de facto außer Kraft. Theologie (kath., ev., jüd.) hat auch den Zweck, ein Scharnier zwischen dem zivilen Leben der Menschen und dem religiösen Leben zu sein. Derlei ist dem Islam nicht in vergleichbarer Weise inhärent. Klar: es gibt auch zahlreiche moslemische Geistliche, die mäßigend zu wirken sich bemühen. Aber sie tun dies im Allgemeinen nicht, indem sie sich gegen die stellen, die wir Islamisten nennen. Um im Zug-Bild zu bleiben: sie trennen nicht die Waggons von der Lok, die auf Irrfahrt ist, sondern sie betätigen die Waggonbremse, was dazu führt, daß der Zug statt mit 150 nunmehr mit 145 km/h fährt.

Der Islam ist heute die Quelle überhaupt für Juden- und Christenverfolgungen. Mag sein (ich habe Zweifel), daß es nur wenige Individuen sind, die den „wahren Islam“ usurpieren – aber das ist ohne Belang, solange die Masse der Moslems sich von dieser Avantgarde nicht distanziert, nicht abwendet und nicht die Gefolgschaft verweigert. Und eben das tut sie nicht.

Wo ist der Aufschrei in der islamischen Welt, wenn jeden Tag in Nigeria Christen brennen?

Wo rufen hörbare islamische Stimmen zum Ende der Gewalt gegen Israel?

Wo sind prominente Vertreter des Islam zu hören, die in Deutschland verkünden, daß die Einhaltung der Gesetze für Staatsbürger (und andere) wichtiger ist als die Befolgung strittiger Regeln ihrer Religion?

Wo wendet sich der islamische Mainstream hörbar und erfolgreich (denn nur das zählt) gegen die Diskriminierung der Frau?

In diesem Spannungsfeld verfaßt Broder seine gewiß zuweilen grobschlächtigen, aber doch stets einen wunden Punkt thematisierenden Philippiken.

Worte werden als Kampfbegriffe benutzt, schreiben Sie, und Recht haben Sie. Worte sind aber auch zuweilen als Nebelkerzen im Einsatz, die die Sicht behindern. Das ist besonders dann leicht möglich, wenn ein Wort zig Bedeutungen haben kann:

  • Islam: Die Religion des Individuums (oft libertinär gelebt)
  • Islam: Die Religion an sich, die Lehre des Islam (oft sehr extrem theologisiert, mit starkem Einfluß zivilisationsfeindlicher Aspekte wie Haßaufrufen, Frauendiskriminierung)
  • Islam: Die Gemeinschaft von Islamgläubigen in einem Referenzrahmen, als Gruppe von Menschen oder als regional reale Ausprägung einer theologischen Lehre (der deutsche Islam, der Islam in Deutschland)
  • Islam: der kulturelle Hintergrund, also etwas losgelöst vom stark theologischen Begriff, der für zahlreiche Menschen in Deutschland prägende Kulturalisierung, Sozialisierung, die statistisch unbestreitbar konnotiert zu Aspekten führt wie: Bildungsferne, hohe Kriminalitätsrate, sehr hohe Quote von Menschen, die von staatlichen Sozialleistungen leben, Zwangsheiraten, Kinderehen, Morde aus Scham, verletzter Eitelkeit etc.

Das alles und womöglich noch mehr ist der Islam, jedenfalls ist er es auch. In Ihrem Artikel nehme Sie die Position ein, daß Broder nicht zwischen den äußersten Extremen unterscheidet, daß er nicht zwischen Bombenbauern und redlichen Menschen scheidet. Sie aber wenden einen anderen, mir mehr mißfallenden Kunstgriff ab: Sie suggerieren, daß das, was mit nicht unterscheidbaren Worten belegt wird, so unterschiedlich sei, daß man es nicht in einen Topf werfen dürfe. Sie irren, denke ich: das darf man nicht nur, das muß man.

Der reale Islam in Deutschland – hier gemeint: die in Deutschland lebenden Moslems – war gesellschaftsverträglicher, als er es heute ist; er wird zunehmend ein gesellschaftliches Problem. Das ist schwer zu bestreiten, wie schon alleine die Anzahl der Veröffentlichungen belegt. Das Problem kann und wird aber nicht dadurch gelöst oder, besser, reduziert werden, indem unsere Gesellschaft islamischer wird. Es kann und wird nur dadurch gebessert werden, daß der Islam in Deutschland – ebenso wie Judentum, Buddhismus, Hinduismus, Schamanismus etc. die längst taten – verinnerlicht, eine Minderheitenreligion zu sein, deren Ausübung natürlich geschützt ist, die aber keinen Anspruch darauf zu erheben hat, daß sie die Gesellschaft dahingehend infiltriert, daß die Religion die Gesellschaft definiert.

Minderheiten haben Rechte, aber sie haben eben auch Pflichten – bzw. ihre Rechte haben Grenzen.

Wir leben hier in Deutschland im Abendland, im Westen, mit jüdisch-christlichen Wurzeln unserer Kultur, mit der Aufklärung und vielen weiteren Dingen, die insgesamt, man mag das Wort mögen oder nicht, unsere Leitkultur sind.

Der Islam gehört nicht dazu. Er hat auch keinen Anspruch, künftig einmal dazuzugehören.

Dieser Kulturkampf wird derzeit ausgefochten, glücklicherweise mit Worten (fast ausnahmslos).

Vor allem aber fordert Broder und ich mit ihm eines: Daß der Islam die Toleranz, die er ständig für sich selbst als selbstverständlich in Anspruch nimmt, auch anderen entgegenbringt.

Und daran hapert es hinten und vorne.

Wer es unternimmt, den Konflikt weg- und schönzureden, tut nicht nur etwas Sinnloses, er tut etwas Gefährliches: er erhöht den Druck. Es ist gewiß besser, nunmehr durch eine intensive öffentliche Debatte endlich einmal nicht nur von unserer Gesellschaft etwas zu fordern, sondern nun auch einmal in den in Deutschland existierenden Islam hinein zu wirken und etwas zu verändern. Hier liegt eine jahrzehntelang aufgebaute Bringschuld des deutschen Islam, der deutsche Moslems.

Der Link zum Artikel des Herrn Rother: http://muslimische-stimmen.de/beitraege-single/article/der-moslem-ist-erst-mal-kein-terrorist-anmerkungen-zu-henryk-m-broders-stellung-zum-islam/

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