Ein ungemein trauriger Klamauk

Mit diesen Worten bezeichnete Thomas Mann die Bücherverbrennungen, die im Mai 1933 den Auftakt nationalsozialistischer Kulturpolitik bildeten. Die zentrale Kundgebung dieser von nationalsozialistischen Studenten unter Schirmherrschaft des frisch ernannten Reichsministers für Volksaufklärung und Propaganda Dr. phil. (sic!) Joseph Goebbels fand auf dem Berliner Opernplatz statt. Unter markigen „Feuersprüchen“ überantworteten die braunen Saubermänner Bücher aller Art dem Feuer und hofften auf seine reinigende Wirkung. Es gelang: die meisten der so verbrannten Autoren sind bis heute vergessen. Lediglich die ganz großen Namen überstanden den Bann und kehrten, neugedruckt, nach 1945 wieder in die Bücherregale der Deutschen zurück: Thomas Mann, Heinrich Mann, Sigmund Freud, Kurt Tucholsky, Heinrich Heine, Erich Kästner. Manche wie Oskar Maria Graf, die dieses Paradigma von Kulturbanausentum entsetzt erlebten, beschwerten sich darüber, daß ihre Bücher nicht unter den verbrannten waren – erkannten sie doch darin einen Adelsschlag: die verbrannten Bücher waren der Grund, warum Deutschland weltweit als Kulturnation angesehen wurde. Das aber ist lange her.

Heute haben wir einen neuen Obergruppenführer der Reinheit deutscher Sitte: Martin Zet. Dieser verhinderte Präsident der Reichsschrifttumskammer steht in der Tradition eines Hanns Johst, der dieses „Amt“ von 1935 an inne hatte, ein enger Freund Heinrich Himmlers war und sich in die Äonen deutschen Geisteslebens beförderte mit Sätzen wie „Wenn ich Kultur höre, entsichere ich meinen Browning“. Dieser Martin Zet, der Tscheche ist und sich Künstler schimpft, veranstaltet – natürlich: in Berlin, wo sonst – ein „Bücherrecycling“. Hier kommt zusammen, was zusammengehört: einerseits der gute, alte, brav nationalsozialistische Drang, alles zu verbrennen (Bücher, Häuser, Menschen), was einem nicht paßt und was man nicht versteht, andererseits der deutsche Wahn der sauberen Mülltrennung, Müllwiederverwertung und dem Befassen vor allem mit Exkrementen.

Plakat der Aktion
Plakat der Aktion

Das hätte aber den Reichskommissar für die Festigung des deutschen Volkstums (einer der vielen Titel Himmlers) gefreut, daß die Tschechen in Form dieses Martin Zet sich so hartnäckig um die Anerkennung als gleichwertiges Glied des Reiches bemühen.

Und welches Buch will nun dieses Prachtexemplar von gedankenschwerem „Künstler“ verbrennen recyclen? Na klar: Thilo Sarrazins „Deutschland schafft sich ab“. Und warum? „Ich schlage vor, das Buch als aktives Werkzeug zu benutzen, welches den Menschen ermöglicht, ihre eigene Position zu bekunden“, sagt Zet. Natürlich – Kunst als Symbol, Büchervernichtung als Gefühlsbekundung. Nichts neues, das war 1933 schon das gleiche.

Es fällt mir schwer, in nichtjustiztiable Worte zu fassen, welchen Abscheu ich vor diesem Martin Zet empfinde. Wer aber ist nun schlimmer: Dieses dummdreiste Stück Zeitgenosse – oder doch die Verantwortlichen der Berlinale, in deren Rahmen diese Aktion stattfindet? Oder jene wohlfeilen Priester des reaktionären Gutmenschentums, die sich als „Büchersammelstelle“ anbieten?

Möglicherweise erlaubt sich dieser Martin Zet aus seiner beschränkten Binnensicht nur eine Werbeaktion in eigener Sache; sie wird seinen Namen bekannt machen. Aber auch eine Tatjana Gsell (geborene Tanja Gick, was doch viel schöner klingt), ein Fritz Hamann oder Oliver Pocher sind bekannt, ohne daß man sie als Künstler bezeichnen könnte.

Was einer wie Martin Zet nie begreifen wird: man sollte Bücher lesen anstatt sie zu vernichten. Dieses frivole Priestertum des angeblichen Edelmenschen, der doch tatsächlich nur ein Vernichter der Freiheit ist, ein verhinderter Zensor – eine der miesesten Tätigkeiten, die denkbar sind – und ein selbstgerechter Weltverbesserer (und wenn alles in Scherben fällt), ist eine der ungeheuerlichsten Angriffe auf den Kern der Freiheit, der Kultur und aller Werte, die diesen Staat ausmachen.

Soll er es dürfen? Ja, soll er, die Freiheit muß man ihm geben, wenn man nicht selbst so werden will wie er. Aber was wird dann sein?

Zum einen wird die Aktion scheitern. Er plant, 60.000 Exemplare des Buches einzusammeln. Das halte ich für aussichtslos, wenn nicht ein paar vermögende Moralfaschisten (Hallo, Jakob Augstein!) extra neue Exemplare kaufen, um sie an Zet zu übergeben. Desweiteren wird das Buch dadurch erneut öffentlich diskutiert werden – was von Zet unbeabsichtigt, aber gut wäre. Außerdem wird Sarrazin dadurch inhaltlich wieder einmal bestätigt, denn wenn es gegen das, was in seinem Buch steht, keine andere „Argumentation“ gibt, als das Buch zu vernichten – dann stellen sich die Macher dieser Aktion, Zet und seine Lieferanten und die Biennale, damit in einer Weise bloß, die mir nach dem heutigen Ärger dann vielleicht ein erfreuliches Wohlgefühl vermitteln wird.

Die Frage ist nur: Welchen der 1933er „Feuersprüche“, natürlich in zeitgenössischer Abwandlung, wird Zet absingen lassen? Meine Favoriten:

  1. Gegen Gesinnungslumperei und politischen Verrat, für deutsches Gutmenschentum!
  2. Gegen sachliche Recherche demokratischer Prägung, für Ignorieren der Tatsachen!
  3. Gegen literarischen Verrat an 1968, für Erziehung des Volkes im Geist der Selbstvergessenheit!

gefolgt von: Ich übergebe dem Feuer Reißwolf die Schriften des Thilo Sarrazin!

Und hinterher machen dann die Pappnasen des geistigen Adels eine Mülltrennfete. Heidewitzka, das wird ein Lachen und Freuen und Saubermanndasein werden!

Hier der Internetauftritt dieser von der Kulturstiftung des Bundes geförderte Aktion: http://www.berlinbiennale.de/blog/news/%E2%80%9Edeutschland-schafft-es-ab%E2%80%9C-%E2%80%93-buchsammelaktion-17483

Und hier der Link zur Kulturstiftung des Bundes – wo man über „Kontakt“ (oben rechts) die Herrschaften wissen lassen, für wie knorke man diese Verwendung öffentlicher Gelder hält: http://www.kulturstiftung-des-bundes.de/cms/de/index.jsp

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43 Responses to Ein ungemein trauriger Klamauk

  1. Anonymus says:

    Böse, aber gut.

  2. Rebecca says:

    Das ist ja wohl wirklich unglaublich: Büchervernichtung ist ja die perfekte Reaktion, um mit Meinungen umzugehen, die einem selbst nicht in den Plan passen. Aber ansonsten immer wieder sagen, man sei ein Befürworter von offener und transparenter Kommunikation. Ach, wie ich diese Scheinheiligen gerne alle mal recyceln würde … Wobei; was soll da bite am Ende als Endprodukt rauskommen?

  3. Paul says:

    Wenn es wenigstens privat wäre, dann könnte man es unter „Kunstfreiheit“, wenn auch einer sehr grenzwertigen und ekelhaften, abhaken. Leider ist aber auch die Regierung in die ganze Sache verwickelt. „Die Kulturstiftung des Bundes“ fördert die Biennale und diese Kulturstiftung ist im Jahr 2002 von der Bundesregierung, vertreten durch den Beauftragten für Kultur und Medien, gegründet wurden. Der Beauftragte für Kultur und Medien ist heute Bernd Neumann und auch wenn dieser oder seine Mitarbeiter persönlich nicht für das Programm und für Aktionen der Biennale verantwortlich sind, so stammt ein Teil der Fördermittel für diese Buchvernichtung doch vom Bund höchstpersönlich.

  4. Grote Pier says:

    “ Wer Bücher shreddert, der shreddert auch Menschen“ (Heinrich Heine) fast.

  5. Ulrich Elkmann says:

    Zur „Exkrementenfixierung“ des Deutschen als Schlüssel zu den generellen Macken und Fixierungen dieser Menschen noch dies hier:
    http://www.vanityfair.com/business/features/2011/09/europe-201109
    (Ist mittlerweile zum 4. Kapitel in Michael Lewis‘ Buch „Boomerang“ geworden – auf deutsch mit dem Untertitel „Europas harte Landung“).

  6. Deutsche Bürgerin says:

    Leider wohne ich nicht in Berlin. Sonst würde ich dem „Künstler“ gerne einen Gutschein für den Kauf einer SA-Uniform (vielleicht gibt es so etwas ja noch bei einem Kostümverleih oder -verkauf) schenken, damit die Aktion auch wirklich stilecht abläuft.
    NB: In meinem Bücherschrank stehen einige Bücher, mit deren Inhalt ich nicht einverstanden bin. Zur geistigen Auseinandersetzung brauche ich sie doch.
    Was würde wohl passieren, wenn ein deutscher „Künstler“ mitten in Prag Bücher eines tschechischen Autors verbrennen würde?

    • Danny Wilde says:

      Davon sind wir ja nicht weit entfernt. Die deutschen Qualitätsmedien werden ja nicht müde, die Völker Amerikas, Tschechiens, der Slowakei, Polens und Ungarns, ganz zu schweigen Israels, darüber zu belehren, welche ihrer demokratisch gewählten Regierungen gut sind (= links) bzw. aus irrlichternden Geisteskranken bestehen (der gesamte Rest, besonders wenn dieser Rest der zu belehrenden Regierungen verfassungsverpflichtet das Wohl der eigenen Nation vorneanstellt, Feinde bekämpft statt zu hofieren oder kritisch gegenüber einer ideologisch gegründeten Wertevernichtungs-Währung handelt).

      Für mich besteht da gar kein so großer Unterschied.

      In diesem immer einstimmigeren Rauschen im Blätterwald ist die hier besprochene Aktion der logische Ausfluss.

      Selbstverständlich soll dieser – auch von meinen Steuergeldern mitfinanzierte – Aktionist diese schändliche Aktion durchführen dürfen, selbst wenn auch die andere Seite des Betrachtungsspektrums vorliegen mag: die eine, dass er schlicht zu dumm ist, zu begreifen, was er da eigtl. tut, und halt die andere, dass er es sehr genau weiß und deshalb das Tarnkäpplein der Kunstfreiheit darüberzustülpen für notwendig hält.

      Dabei wäre das ganz und gar unnötig, denn die Meinungsfreiheit deckt ja auch das Zeigen „reinrassiger“ Stürmer-„Karikaturen“ ab: http://tapferimnirgendwo.files.wordpress.com/2011/03/img_0459.jpg – im dazugehörigen (erstklassigen) Blog mag sich ein jeder selbst ein Bild darüber machen, was tatsächlich geht. Wenn man nur genügend dummdreist daherkommt, sehr genau weiß, was man tut und (linke) Staatsanwälte hat, denen – nach Strafanzeige wg. Volksverhetzung und Rassismus – auf der Darstellung die „judentypische Hakennase“ fehlt, ergo nix schlimm.

      Wie aber Mitforist Paul weiter oben ausführte, sollte schon wahrgenommen werden, dass wir hier über die Berlinale reden. Also quasi ein offizielles Statement des Landes Berlin und des Bundes.

      Yo. Das macht die Sache lustig. Und um Ihren Gedankengang aufzugreifen, was würde wohl passieren, wenn ein deutscher „Künstler“ mitten in Prag UND VON DER TSCHECHISCHEN REGIERUNG FINANZIELL UND IDEOLOGISCH UNTERSTÜTZT Bücher eines tschechischen Autors verbrennen äh recyclen würde?

  7. Cosmo says:

    Andererseites vielleicht:

    Satire darf alles.
    Kunst darf alles.

    Vielleicht bringt diese Kunst-Aktion die Leute zum Nachdenken über Meinungsfreiheit damals und heute . . .

  8. Cosmo says:

    Übrigens: Thomas Manns Bücher wurden bei der „Bücherverbrennung“ nicht verbrannt.

  9. freudgermany says:

    @Cosmo:
    1. Ja, Kunst darf alles (im Rahmen der Gesetze), also auch Bücher vernichten. Das bestätige ich auch ausdrücklich in meiner Philippika. Aber dann darf man sich auch die Antwort anhören.
    2. Wenn Martin Zet die Leute zum Nachdenken bringen wollte – bitte sehr, das wäre stets lobenswert. Genau diese Intention verfolgt er aber offenkundig nicht: er will durchsetzen, daß die Klappe gehalten wird, jedenfalls solange man Thilo Sarrazin heißt. Über den angegeben Link zur Aktion ist zu finden, wie er sie darstellt; Zweifel bleiben keine offen. Von Satire allerdings gibt es nicht den Hauch eines Indizes. Das ist keine Satire.
    3. Thomas Manns Bücher wurden verbrannt – allerdings nicht auf der zentralen Kundgebung in Berlin, sondern beispielsweise in Hannover, Hamburg, Göttingen und Köln (belegt) sowie vermutlich Erlangen (berichtete mir ein Prof meiner Alma Mater)

  10. Cosmo says:

    Ich hab unlängst in einer intellektuellen deutschen Fernsehsendung zwei Theoretiker gesehen, die unangenehme Bücher ins Wasser in einen Brunnen warfen und sie unter Wasser drückten.

    „Wo man Bücher ins Wasser schmeisst, waterboardet man auch am Ende Menschen.“

  11. Pingback: Der virtuelle Wochenrückblick | KUNST MAGAZIN

  12. Frieder says:

    Eine Ergänzung meinerseits:
    Man darf also vielleicht nicht gleich von „Bücherverbrennung“ sprechen, denn die Bücher sollen ja „recycelt“ werden. Werden also wie „Wertstoff“ aus der Papiertonne oder dem „Grünen Sack“ behandelt; ganz politically correct und noch dazu für einen guten Zweck.
    Für die Anschaffung von Gebetsteppichen für Berliner Schulen vielleicht?
    Kostenlose Verteilung gesammelter Reden von Erdogan an Türken in Zehlendorf?
    Förderung von Halal-Suppenküchen für unterernährte Maghreb-Migranten in Kreuzberg?
    Einrichtung von Volkshochschulkursen für angewandte Scharia?
    Oder die Einrichtung einer Stiftung für die Verbreitung des böhmischen Knödels und der Kolatsche in Westeuropa?

    http://www.altmod.de

  13. Brigitte Mittelsdorf says:

    Ist nur so ein Gedanke – aber was, wenn Zet die Deutschen vorführen will? Und alle Gutmenschen machen mit und gründen Sammelstellen etc…. und merken gar nicht, wie sie als beflissene faschistische Nachfahren entlarvt werden? Ist sicher nur ein Wunschgedanke, aber, was wäre wenn? Irundel

  14. Sehr geehrter Herr Freud,
    Ihre Meinung sei Ihnen unbenommen. Ich möchte nur auf eines hinweisen. Der Martin Zet hat bereits einen Namen als Künstler. Er ist nur im deutschen Mainstream ein Unbekannter. Aber er ist schon lange künstlerisch aktiv. Sie können davon ausgehen, daß er diese Kunstaktion nicht macht, weil er als Newcomer in den Markt drängt.

    Und interessant finde ich, wie bierernst die Sache genommen wird. Ich glaube, nicht nur die Kritiker sondern auch die Befürworter an den Buchsammelstellen glauben fest daran, damit etwas bewirken zu können. Als ob die Vernichtung eines Buches gleichbedeutend mit der Vernichtung der Idee wäre.
    Die Kunstaktion des Herrn Zet hat genau heute begonnen. Wann hat uns das letzte mal eine Aktion eines zeitgenössischen Künstlers so in Wallung gebracht? Hut ab, Herr Zet!

    • freudgermany says:

      Ach. Und eine Nachinszenierung der „Reichskristallnacht“ ist dann um so bessere Kunst, als sie uns noch mehr in Wallung brächte, ja?
      Ich nehme es ernst, wenn Bücher vernichtet werden, weil ihr Inhalt bekämpft werden soll. Was ist grundsätzlich anders an der Zet-Aktion denn an dem NS-Studenten-Event?

      Ob Zet in einem Teil des Kunstbetriebs einen Namen hat, ist mir egal. Er muß natürlich einen haben, weil ihm sonst dieser „Act“ im Rahmen der Biennale nicht möglich gemacht worden wäre. Allerdings sieht das zwischenzeitlich schon wieder anders aus. FAZ und ZEIT haben sich dezidiert in einem ähnlichen Sinne geäußert wie ich mich hier. Buchablieferungsstationen haben sich bereits von der Aktion zurückgezogen. Die Kulturstiftung des Bundes wird das wohl auch tun, heißt es.

      Eine böse Sache wird nicht dadurch besser, daß man ihr das Label „Kunst“ umhängt. Oder gehören Sie zu den Jubelbriefe schreibenden Fans von Charles Manson?

  15. uhupardo says:

    Ich habe Sarrazins Buch gelesen … und dann verbrannt. Das war folgerichtig, logisch und beinahe unausweichlich.

    Saludos del Uhupardo

  16. Cosmo says:

    „Was ist grundsätzlich anders an der Zet-Aktion denn an dem NS-Studenten-Event?“

    Die Gesellschaft.
    Faschistische Diktatur ist grundsätzliches anders als westlichen Zivilisation.

    • freudgermany says:

      Der NS war nicht nur eine faschistische Diktatur, er war eine nationalsozialistische. Außerhalb der DDR (und der DKP) wußte man das eigentlich. Wäre Hitler ein Mussolini gewesen oder ein Franco, dann wäre es gewiß nicht so geworden, wie es wurde, und wohl auch kaum so schlimm.

      Zum Unterschied zwischen Büchervernichtung ’33 und ’12: Nichts ist großartig anders. Bücher werden vernichtet, weil ihr Inhalt einer Avantgarde mißfällt. Der Antrieb kommt in beiden Fällen aus dem nichtstaatlichen Bereich (NS-Studenten, „Kunst“) und wird staatlich protektiert (Goebbels, Kulturstiftung des Bundes). Der Zweck ist die Unterdrückung einer mißliebigen Meinung.
      Nun bitte: der Satz „Faschistische Diktatur ist grundsätzliches anders als westlichen Zivilisation“ ist in diesem Zusammenhang Gesülze. Wenn Sie einen klaren Unterschied sehen – heraus damit. Aber bitte keine solchen Phrasen als Nebelkerzen. Danke.

  17. Cosmo says:

    Sie können das Sarrazin-Buch doch in jeder Buchhandlung kaufen, im Netz runterladen, in Bibliotheken ausleihen. Es steht auf keinem Index, Sarrazin gibt Interviews in allen Medien, verdient Millionen. Alle Zeitungen berichten. So gut hatten es die Autoren der Bücherverbrennung aber nicht.

    • freudgermany says:

      Das ist teilweise richtig. Zwar berichteten auch ’33 die Zeitungen, und ein „Netz“ gab’s noch nicht. Aber was daran zutreffend als Unterschied genannt wird, ist lediglich ein Unterschied der Folgen der Büchervernichtung. Es ist kein Unterschied der Aktion selbst.
      Im Übrigen gilt wohl, daß dieses Buch nur deswegen von Zeitgenossen wie Zet nicht verboten wird, weil sie die Macht dazu nicht haben – es aber sofort verbieten würden, wenn sie nur könnten.

      • Cosmo says:

        Dann gibt es zum Ausgleich andere Künstler, die gegen Bücher protestieren, die Sie nicht mögen.

        Der Charakter unseres Staates ist anders als damals. Die Eliten sind in Deutschland von den Alliierten eingesetzt worden, um die westliche Zivilisation gegen das Nazi-Volk aufzurichten und die Verfassung zu verteidigen. Das halten sie auch bisher durch. Trotz Bildzeitung.

        Sie sehen es wohl anders herum. Sie glauben, die Eliten sind die PC-Diktatoren und das Volk will Freiheit. Das war in der DDR vielleicht so, aber nicht bei den Nazis.

        Der völkische Sozialismus der Nazis kam von unten und wurde dem Volk nicht von oben ausgezwungen, sondern erst nach der Machübergabe an die braune Kanaille mit Hilfe des preussischen Obrigkeitsstaates gefestigt (Gleichschaltung).

        Sehen wir uns alte Demokratien wie die USA, Dänemark oder UK an, würde man mit so einer Aktion wie die von Zet übergaupt kein Problem haben. Da darf man ALLES sagen.

  18. freudgermany says:

    Ich mag die Inhalte so mancher Bücher nicht, aber ich würde sie nicht verbrennen. Im übrigen stelle ich erneut klar: natürlich darf man Bücher verbrennen. Aber wenn es einer tut, dann muß er auch die Kommentare, die er dadurch auslöst, ertragen.
    In der Tat sehe ich manches anders als Sie. Natürlich kam der NS nicht von unten – im Führerstaat kommt alles von oben. Richtig aber ist, daß Hitler sich in der weitaus meisten Zeit seiner Herrschaft – grob: vom sogenannten Röhm-Putsch bis einige Wochen nach dem 20. Juli – auf eine (phasenweise überwältigende) Mehrheit berufen konnte, was Goebbels zu dem feinen Satz animierte: „Es mag gut sein, Macht zu besitzen, die auf Gewehren ruht. Besser aber und beglückender ist es, das Herz eines Volkes zu gewinnen und es auch zu behalten“. Das hat aber weder etwas mit dem preußischen Obrigkeitsstaat zu tun (die Gleichschaltung fand in allen Ländern, Kommunen, Kreisen und Gemeinden gleichermaßen statt) noch haben die Alliierten ’45 (im Westen) irgendwelche Eliten „eingesetzt“ – es kamen meist die nach vorne, die schon vor ’33 vorne standen und überlebt hatten.
    Daß man in alten Demokratien mit einer starken Redefreiheit gut lebt, stimmt. Daß man aber mit solchen Aktionen dort kein Problem hätte, ist wiederum nicht zutreffen. Als vor einigen Monaten ein Pastor einer Kirche, auf die ich mich gerade nicht mehr besinne, den Koran öffentlich verbrennen wollte, da ging die Meldung erst in den USA und dann in der ganzen Welt durch und sorgte für erhebliche Unruhe – auch in den USA. Am Ende sagte der Pastor sein Vorhaben ab. Nun ist Sarrazins Buch kein religiöses Grundlagenwerk und der Vergleich insofern hinkend, aber Ihre Aussage, daß das anderswo kein Aufreger wäre, ist schlicht falsch. Aber es ist zugleich auch vollkommen egal, denn andere Staaten haben auch keine solche Bücherverbrennung erlebt wie Deutschland 1933. In unserer Kultur sollte gelten, daß man derlei nicht tut (auch wenn man es darf). Schlimm aber wird es ja dadurch, daß damit die Unterdrückung einer Meinung einhergehen soll.
    Auch waren gewisse dänische Mohammed-Karikaturen und der Umgang mit ihnen in anderen Medien nicht gerade ein Nachweis dänischer Redefreiheit.
    Das Unerträgliche an der geplanten Aktion dieses Prachtburschen Zet besteht darin, daß er die Bücherverbrennung der Nazis sich zum Vorbild nimmt, daß er sie dadurch lächerlich macht, und daß er aus dem Schrecken jener Jahre für sich Ruhm und Erfolg generieren will. Es ist schamlos und geschichtsvergessen. Für heute darf ich mich verabschieden.

  19. Cosmo says:

    „im Führerstaat kommt alles von oben“
    Ich denke eher, in der Nazi-Volksgemeinschaft machte der Führer genau das, was das Volk wollte, vorauseilend sozusagen und immer mit guten Sozialleistungen. Deshalb haben sie ihn auch so geliebt.

    „noch haben die Alliierten ’45 (im Westen) irgendwelche Eliten „eingesetzt““
    Nun ich galube, die Re-education hätte nicht funktioniert, hätte man nicht auch das Volk vorher mit den Bomben der Royal Air Force für die Demokratie vorbereitet. Trotzdem war die Akzeptanz der westlichen Zivilisation in diesem Volk lange Zeit eher schwach, eigentlich bis heute. Woher kam also die Demokratie? Sowohl Verfassung als auch Staatsstruktur, Medien etc. wurde von den Alliierten kreiert und in die Hand der deutschen Eliten übergeben, freilich waren es hauptsächlich die selben Leute wie vorher. Nur, dass sie nun nach der Pfeife des Westens tanzten. Sie haben sich untergeordnet, weil sie besiegt worden waren.

    Ehrlichgesagt so langsam interessieren mich diese deutschen Befindlichenkeiten nicht mehr. Ich lebe nämlich in der westlichen Zivilisation, die ich liebe. Die deutsche Kultur ist für mich nur Zugabe, die ich hier zufällig abkriege. Manchmal zu viel.

    Übrigens sollte Sarrazin auch mal lernen, zwischen westlicher Zivilisation und deutscher Kultur zu unterscheiden. Die haben nämlich wenig miteinander zu tun.

    Ich bin aber unbedingt der Meinung, dass wir unsere westliche Zivilisation verteidigen müssen. Wir müssen intolerant sein, damit Toleranz möglich ist. Auf der anderen Seite, können wir auch ruhig mal die Errungenschaften wie Rede- und Kunstfreiheit geniessen, ohne immer gleich Angst vor dem Untergang zu haben. 🙂

    Danke für die gute Diskussion & gute Nacht.

  20. Kurt aus Zwickau says:

    Sehr geehrter Herr Freud,

    Bitte denken Sie an Ihre Gesundheit und nehmen Sie Baldrian. 🙂
    Warum sollte ich denn gleich Manson Fanbriefe schreiben, nur weil ich die Aktion von Zet sehr intelligent finde? Zet hat mit wenig Aufwand den Finger in eine gesellschaftliche Wunde gelegt. Und ganz Deutschland stöhnt auf. Vielleicht mußte dazu erst ein Tscheche kommen. Deutsche Künstler versagen diesbezüglich bis heute in ganzer Linie. Ich würde lieber darüber lamentieren, daß sich deutsche Künstler vor der Auseinandersetzung mit aktuellen Themen nach Kräften drücken. Wenn sie es doch tun, dann ist es entweder lamorjantes Klagen über ihre soziale Lage oder ein wohlfeiles Kapitalismus-Bashing. Ansonsten herrscht l’art-pour-l’art. Es musste offensichtlich erst ein böhmischer Eulenspiegel kommen, um eine künstlerische Auseinadersetzung mit Sarrazin zu führen. Ob das im Ende gelungen ist, werden wir in einem Jahr wissen.
    Warum gehen Sie und viele andere eigentlich davon aus, daß diese Bücher verbrannt werden sollen? Ich kann das nirgendswo herauslesen.

    Die übliche Buchinstallation von Zet sieht so aus, daß er die Bücher, mit dem Buchrücken nach oben, als zweiten Fußboden in Gänge oder Korridore presst, so daß der Besucher gezwungen ist, über die Bücher zu laufen. Es steht zu vermuten, daß er das auch mit den Sarrazin-Bänden vor hat.
    Im übrigen musste er eine solche Installation 2009 aus einer Ausstellung einen Tag vor Eröffnung wieder entfernen. Die Ausstellung hieß „Ohne Uns“ und fand in Dresden statt. Es ging um Künstler im Osten, die sich dem staatlichen Weg des Künstlerseins verschlossen haben. Und Zet legte dort Unmengen von Büchern kommunistisch-ideologischen Inhalts als zweiten Fußboden aus. (link zum damaligen Aufruf mit Beispielfoto: htp://www.ohne-uns-dresden.de/wordpress/?p=344 ) Zumindest wollte er das. Offensichtlich haben schon damals Leute protestiert. Da es aber in der sächsischen Provinz war, wurde es nicht weiter wahrgenommen.

    Schönes Wochenende!

    • freudgermany says:

      Danke, daß Sie um meine Gesundheit bemüht sind. In der Tat ist es besser, sine ira et studio zu schreiben.
      Der Manson-Vergleich bezweckte, folgendes zu verdeutlichen: Man kann theoretisch alles, jede Tat und Untat, als „Kunst“ bezeichnen. Womöglich kommt sogar eines Tages jemand daher und bezeichnet Auschwitz als ein gigantisches Happening in Form des größten Flash-Mobs aller Zeiten – wer weiß? Es soll also gesagt sein: Dadurch, daß ich einem Vorgang das Label „Kunst“ umhänge, wird es erstens nicht zur Kunst, wenn es nicht schon vorher und aus sich selbst heraus Kunst war. Zweitens aber, und darauf kommt es an, verliert es durch das Label „Kunst“ nicht seinen Charakter. Büchervernichtung ist Büchervernichtung – auch wenn man es Kunst nennt.
      Die Aktion Zets finde ich nun wirklich alles andere als intelligent. Sie ist so subtil wie eine Dampframme. Was den ganzen langen ersten Absatz betrifft, würde ich Ihnen doch recht gerne zustimmen. Leider ist mir das nicht möglich, denn Zet führt keine Auseinandersetzung mit einer Meinung, die ihm mißfällt, er führt eine Vernichtung dieser Meinung durch.
      Man nennt eben Menschen nicht Heuschrecken (wie dies u.a. Franz Müntefering tat), man vernichtet keine Bücher (und schon gar nicht deswegen, weil einem die Inhalte nicht passen), man relativiert nicht, was im Nationalsozialismus geschah (und genau dies ist einer der Aspekte der Zetschen Aktion). Das ist Grundkonsens unserer Gesellschaft, sollte es jedenfalls sein, und auch wenn Kunst natürlich das darf, was Zet tun will, so heißt es doch eben nicht, daß man darüber begeistert sein muß. Der Künstler trägt doch auch Verantwortung, wie jeder, der etwas in den öffentlichen Raum stellt: Worte, Musik, Bilder, Artefakte. Dieser Verantwortung muß er selbst gerecht werden. Ich plädiere sicher nicht für ein Verbot dieser Aktion, denn ich bin gegen solche Verbote, solange das Geplante nicht gegen die Strafgesetze verstößt – und das tut diese Aktion sicherlich nicht. Ich bin aber dagegen, daß derlei mit öffentlichen Mittel co-finanziert wird. Ich bin dagegen, daß eine insgesamt angesehene Rahmenveranstaltung wie die Biennale sich mit einem miesen Goebbels-Reloaded-Klamauk desavouiert.
      Vor allem aber bin ich dagegen, daß ein Buch, das vielen unbequem ist, gerade weil es zu drei Vierteln aus der Wiedergabe und Interpretation statistischer Daten besteht, auf solche Art vernichtet werden soll. Die Aktion ist der traurige Beweis der Richtigkeit der Worte von Ferdinand Lassalle, einem der Begründer der SPD: „Alle politische Kleingeisterei besteht in dem Verschweigen und Bemänteln dessen, was ist“.
      Man muß nach Goebbels und Zet ergänzen: „und im Zerstören dessen, was die Wirklichkeit beschreibt“. Aber das konnte der brave Lassalle nicht ahnen.
      Den Wunsch fürs Wochenende erwidere ich gerne.

  21. Cosmo says:

    „man vernichtet keine Bücher (und schon gar nicht deswegen, weil einem die Inhalte nicht passen)“

    Haben Sie Broders Fernsehsendung nicht gesehen, wo er Bücher ins Wasser schmeisst und untertaucht?

    Ich meine, das darf er schon. Was meinen Sie?

  22. freudgermany says:

    Die Aussage, daß man etwas nicht tut, ist nicht identisch mit der Aussage, daß man etwas nicht darf.
    Man vernichtet keine Bücher, deren Inhalte einem nicht belieben – aber man darf es. Dafür, daß man es darf, würde ich mich übrigens jederzeit einsetzen – aber niemals dafür, daß man es tut.
    Broders Sendung, in der er Bücher ins Wasser schmeißt, sah ich nicht. Ich bade übrigens täglich, und fast immer lesend. Meine Bücher baden also mit mir und sehen oft genug auch so aus. Darin erkenne ich – jedenfalls aus der abstrakten Schilderung heraus – keine Büchervernichtung. Aber was für eine Diskussion ist das überhaupt noch?
    Die Aktion von Zet dreht sich doch nicht um Mißachtung von Büchern. Sie dreht sich um eine Wiederholung, eine Imitation der NS-Bücherverbrennung. Sie dreht sich um die Unterdrückung einer den linksreaktionären Gutmenschen mißliebigen Meinung. Das scheint in der Diskussion keine Rolle mehr zu spielen – schade, und gute Nacht.

    • Cosmo says:

      Doch. Broder vernichtete die missliebigen Bücher. Eindeutig.

      Sie sollten die Sendung sehen. Es war die Folge vom 12.09.’11, ab Minute 12.

      http://www.ardmediathek.de/ard/servlet/content/3517136?documentId=8181452

      Der Vergleich mit der Bücherverbrennung ist natürlich Quatsch, weil Bücher heute nicht aus den Bibliotheken „gesäubert“ und verboten werden.

      • freudgermany says:

        Danke für den Link – habe ich mir doch so wieder einmal eine Folge von „Entweder Broder“ angesehen, was mir den Sonntagvormittag angenehm machte.
        Es ist möglicherweise wirklich nicht schön, Bücher auch in einem Brunnen zu versenken. Interessant ist, wie Sie offenkundige Parallelen nicht sehen wollen und aus randständigen Parallelen etwas Zentrales machen wollen.
        Ich könnte darauf eingehen, daß zwischen einem Buch wie „Deutschland schafft sich ab“ und hysterischen 9/11-Verschwörungstheorienschinken ein eklatanter Unterschied besteht; schließlich ist nicht alles Gedruckte auch ein Buch (die Vernichtung einer Cafémaschinenbedienungsanleitung ist kein der Bücherverbrennung vergleichbarer Akt). Tue ich aber nicht, denn dieser von Broder versenkte Schund wird von irgendwelchen Zeitgenossen geschätzt; es ist grundsätzlich nicht gut, andere Meinung zu unterdrücken – aber inhaltlich bekämpfen wird man sie noch dürfen. Hat Broder hier ein kritikwürdiges Mittel angewandt? Ja. Macht das aber die geplante Aktion Zets besser? Nein.
        Erfreulicherweise springen Zet die Mittäter ab. Nach vielen scharfen Kritiken im Internet, auch von der WELT und der ZEIT und dem SPIEGEL, hoffe ich nun auf eine Stellungnahme der Biennale und der Kulturstiftung des Bundes. Eine öffentliche Vernichtung eines Buches als Meinungsträger, eine absichtliche Nachinszenierung der 33er Bücherverbrennung, Denkverbote als „Kunst“-Inszenierung ist etwas, was nicht durch eine deutsche Kulturstiftung gefördert werden soll.

  23. Cosmo says:

    „Interessant ist, wie Sie offenkundige Parallelen nicht sehen wollen“

    Doch, die sehe ich:

    1.) Mit ihrem Bücherverbrennungsvergleich haben sie erfolgreich Zensur ausgeübt an der Herrschaft des Rechts vorbei.

    2.) Ich finde diese Parallelisierungen unserer westlichen Zivilisation mit Diktatur generell übel. Nicht nur soll sie Kritik mundtot machen. Etwas, was Sie immer den „Gutmenschen“ vorwerfen. Für unsere Freiheit sind auch Millionen Mensch gestorben, deren Opfer sie damit entweihen.

    Einem westlich zivilisierten Menschen des Atlantik dürfen diese Methoden der ehemaligen Champagner-Linken, die sich jetzt als salon-libertäre Zensoren und Polterer gerieren schon ein wenig suspekt vorkommen. Denn sie verraten immer noch die linke, stalinistische Kinderstube.
    Montesquieu, Penn und Jefferson würden sich ob dieser Methoden mit Grausen abwenden. Me, too.

  24. Kurt aus Zwickau says:

    Sehr geehrter Herr Freud,

    Es steht noch Ihre Antwort aus, wo sie gelesen haben, daß die Bücher verbrannt werden sollen, bzw. wo sie herhaben, daß die Installation eine „eine absichtliche Nachinszenierung der 33er Bücherverbrennung“ sein soll. Ich denke, das ist schlicht Ihre Interpretation von…Ja, von was eigentlich?
    Wenn Sie in dieser Geschwindigkeit weitermachen, ist der Künstler Mittwoch ein zweiter Kühnen und am Freitag der Initiator der NSU. Ich verstehe schon, mit der Nazi-Keule herumberserkern ist natürlich einfacher, als sich mit zeitgenössischer Kunst auseinanderzusetzen. Da hat der Martin Zet aber Glück, daß er ein reinrassiger Tscheche ist. Als deutscher Künstler wäre seine Karriere hier und jetzt in ernsthaften Schwierigkeiten. Deshalb muss ich zugeben, daß ich den deutschen Gegenwartskünstlern unrecht getan habe. Es ist reiner Selbstschutz, sich n i ch t mit gesellschaftspolitisch kontroversen Themen auseinanderzusetzen. Zu schnell wird man stigmatisiert und dann hat es sich erledigt mit Ausstellungen oder gar Fördergeldern. Dem „Kampf gegen Rechts“ und Leuten wie Ihnen sei Dank, daß sich die Schneise der politisch machbaren politischen Themen in der Kunst immer mehr verengt. Damit tut man zwar der Kunst keinen Gefallen, aber der deutsche Michael kann wieder ruhig schlafen, weil alles seine Ordnung hat.
    Mir ist dieser Gesinnungsstalinismus nicht neu, da ich schon älter und aus Zwickau bin. Ich kann mit dem „Bitterfelder Weg“ noch was anfangen.
    In diesem Sinne:

    Mit sozialistischem Gruß!

    • freudgermany says:

      Sie bringen da wohl einiges durcheinander. Daß Zet bei seinem Vorhaben an die 33er Bücherverbrennung dachte, gab er selbst zu: „Natürlich habe ich daran gedacht. Aber ich dachte auch, Deutschland ist darüber hinweg.“ (Interview mit WELT online, nachzulesen hier: http://www.welt.de/print/die_welt/kultur/article13817155/Verhasst-weil-er-Sarrazins-Buecher-vernichten-will.html). Da er also daran dachte und sein Vorhaben trotzdem anging, war es seine Absicht. Er glaubte nur (sagte er, aber ich glaube ihm nicht), daß das kein Aufreger mehr wäre. Ich denke, es kam ihm exakt auf diesen Aufreger an.
      Ich bringe Zet nicht einmal in die Nähe der Braunen. Allerdings bringe ich ihn in die Nähe derer, die aus Ahnungslosigkeit, Geltungsdrang und Wertelosigkeit das Geschäft des Relativierens und Verharmlosens besorgen – auch wenn es ihnen auf letzteres nicht ankommen mag.
      Reinrassige Tschechen, wie Sie schreiben, gibt es natürlich nicht – wie es dieses Adjektiv in Bezug auf keinen Staat gibt.
      Wenn einer sich mit kontroversen Themen auseinandersetzt, dann soll er auch wissen, was er tut. Wer es nicht weiß, muß die Reaktionen aushalten. Wenn ein alter SS-Mann einer Stasi-Schreibse die Verteidigungsrede hält, dann muß er sich auch über manches nicht wundern… Dünkel und Verlust von Werten befreien nicht vor Kritik.
      Die Aktion von Zet ist nicht gewitzt, sondern plump. Würde er mit der Frage spielen, ob man, weil einem Sarrazins Buch nicht paßt, den Gedanken einer Büchervernichtung haben darf, dann könnte eine interessante Sache daraus werden. Aber Zet spielt nicht, das Vorhaben ist intellektuell so anspruchsvoll wie eine Laugenbreze. Zet sagt, daß die Thesen Sarrazins schlecht und gefährlich seien; zugleich wird zur Vernichtung des Buches aufgerufen. Wo ist da wenigstens ein Rest intellektueller Auseinandersetzung zu verorten? Es hat, um im Jargon zu bleiben, die Feinfühligkeit einer Acht-Acht.
      Ich bin ganz gewiß kein Gesinnungsstalinist. Sie lesen nicht allzu gründlich, schwant mir. Ich habe hier, auf dieser Seite, klargestellt, daß Zet das natürlich darf. Und würde er es nicht dürfen, dann würde ich mich dafür einsetzen, daß er es darf – weil ich von Verboten in dieser Hinsicht wenig halte. Deswegen darf ich aber dennoch die Aktion von Herzen schlecht finden (vom Hirn her auch), darf sie kritisieren und ihm die Vorwürfe machen, die ich begründen kann. Und ich darf mich darüber ärgern, daß derlei mit Bundesmitteln gefördert wird.
      Sehen Sie: ich suche ja die Auseinandersetzung. Es tut mir leid, daß ich kein ähnlich dampframmenartiges Mittel zur Verfügung habe wie Zet, aber man könnte ja mal als Kunstaktion seine Wohnung in Prag besetzen, wie wäre das? Natürlich in wehrmachtsgrauen Uniformen! So von wegen der Symbolik, gelle?
      Zet teilt aus – nun, also soll er auch einstecken. Ich lehne es aber ab, von Ihnen deswegen in die sauertöpfische Miesmacher- und Kritikastergruppe eingeordnet zu werden. Noch- und letztmals: Wäre es verboten, setzte ich mich mit der gleichen Vehemenz dafür ein, daß er es dürfte – würde ihn aber zugleich mit Argumenten zu überzeugen suchen, daß er es nicht täte.
      Ich habe in diesem Blog (weit unten) auch einmal zu einer geplanten Koran-Verbrennung Stellung bezogen. Tenor: tut man nicht, aber man darf es tun.
      Was man gerade in Deutschland nicht tun sollte, das ist die Imitierung – aus guten oder schlechten Gründen – nationalsozialistischer Symbolakte.
      Der Münchner Kegelclub „Alle Neune“ macht seinen Paradeaufmarsch nicht an der Feldherrnhalle. Die Bundeswehr legt ihr Gelöbnis in Nürnberg nicht auf dem Reichsparteitaggelände ab. Die zentrale Erntedankfeier der evangelischen Kirche findet nicht auf dem Bückeberg statt. Und in Berlin vernichtet man keine Bücher.
      Ihr sozialistischen Gruß lassen Sie mal getrost stecken, sonst hole ich Fritz, den Traktorist.
      Mit Gruß aus Nürnberg von Ihrem treuen CSU-Mitglied
      André Freud,
      der diese Debatte gerne einmal auslaufen sähe.

      • Kurt aus Zwickau says:

        Sehr geehrter Herr Freud,

        Daß Zet weiß, was er tut, hatte ich schon in meinem Kommentar zu jener Dresdner Austellung klargemacht. Die Frage war, ob Sie wissen, was er macht.
        Was die Nazi-Keule betrifft, haben Sie völlig recht. Manchmal geht es mit mir durch und ich fordere differenzierte Betrachtung ein. Denn allzuoft wird alles Missliebige mit der Nazi-Keule niedergeknüppelt. Das ist wie zu Zeiten des Bitterfelder Weges. Da wurde alles das mit der Formalismus-Keule totgemacht, was nicht der gewünschten Kunstmeinung entsprach. Um diese Geisel des totkeulens loszuwerden, machen Sie und viele andere es völlig richtig. Stets und ständig und bis zum Überdruß die Nazi-Keule verwenden! Immer drauf! Wenn es nicht passt, wird es passend gemacht, egal was! Das ist der beste Weg zur Freiheit von ideologischen Scheuklappen. Ich werde es ab sofort auch so machen.

        Ein Letztes noch:
        Wo war eigentlich Ihr Protest gegen die größte deutsche Bücherverbrennung der deutschen Nachkriegsgeschichte? Damals, als soviele Bücher auf einmal verbrannt wurden, daß die Verbrennungsöfen nicht nachkamen mit dem Vernichten. Als man deshalb die Bücher in die Papiermühlen brachte und als diese die Menge der Totgeweihten nicht mehr „recyclen“ konnten, man sie zu Dezitonnen auf die Müllkippen warf. Nicht ohne vorher alte Farbe oder Teer drüberzukippen, damit sie garantiert nicht mehr gelesen werden konnten!

        Erinnern Sie sich? Ich rede von der Bücherverbrennung, der wiedermal Autoren wie Heine, Mann und Kant (und noch viele viele andere) zum Opfer vielen. Damals 1990/91. Das einzige Verbrechen dieser Bücher war, in einem DDR-Verlag erschienen zu sein. Und durchgeführt wurde diese Aktion von Deutschen! Und wieder waren es nur ein paar versprengte Pfarrer und Kommunisten, die dagegen protestierten.

        Sagen Sie jetzt nicht, Sie hätten nichts davon gewußt. Das wäre so typisch für deutsche Mitläufer=Mittäter(Nazikeule) Und sagen Sie nicht, daß das etwas vollkommen anderes wäre. Das wäre ungerecht dem Tschechen Zet gegenüber. (Rassismuskeule)
        🙂

  25. Cosmo says:

    Eugenisch, sozialdarwinistisch und genetisch argumentieren tut man aber auch nicht. Nirgendwo. Auch nicht behaupten, bestimmte Bevölkerungsgruppen seien durch Inzucht „genetisch belastet.“
    Was ist denn das für ein Menschenbild?
    Ironisch ist es, diesen Nazithesen mit einer Anspielung auf die Bücherverbrennung zu begegnen.
    Aber leider funktioniert das nun nicht, weil Sie, obwohl sie behaupten, Sie würden das Recht diese Aktion zu machen verteidigen (Kunstfreiheit), in Wirklichkeit für eine Zensur an der Herrschaft des Rechts vorbei gesorgt haben.

  26. freudgermany says:

    Eugenisch argumentiert man sicherlich nie. Sozialdarwinistisch – ebenso wenig. Genetisch: das kommt auf den Zusammenhang an. Die Menschen sind nicht gleich, auch genetisch nicht. Sie sind gleichwertig (was Eugenik und Sozialdarwinismus bestreiten), aber nicht gleich. Als kosmetischer Chirurg, der hängende Augenlider operiert, haben sie nun mal in Bogotá schlechtere Chancen – verglichen mit Shinzin. Der billige Trick der Unmenschentheorien besteht darin, aus Unterschieden (worin auch immer) auf unterschiedlichen Wert zu schlußfolgern. Das zum Allgemeinen. Zum Besonderen: das, was Sie da behaupten, habe ich nirgends geschrieben. Ich suchte alles durch nach dem Wort „belastet“ – taucht nicht auf. Dito bei der Suche nach „genetisch“. Ist auch nicht meine Sprache. Der einzige Beitrag, in dem diese Worte auftauchen, ist Ihrer. Werfen Sie mir hier also etwas vor, was ich nie sagte? Ich sehe Ihrer Bitte um Entschuldigung entgegen. Sollten Sie (was unklar ist) damit gemeint haben, daß ich erwähnte, daß Zet Tscheche ist: Nun, das allerdings hat seinen Sinn. Wäre der Aktivist Zet ein, sagen wir: 18jähriger Junge aus Guatemala, dann wäre der Umstand, daß er von Bücherverbrennung vielleicht nichts gewußt hätte oder sie einzuordnen ihm Schwierigkeiten machte, möglicherweise etwas unfair. Die damalige Tschechoslowakei, dem nach Österreich zweiten Staat, der vom nationalsozialistischen Deutschen Reich eingenommen und dem ersten Staat, dem dies gegen den Willen seiner Bevölkerung widerfuhr, hat sehr intensiv erfahren, was geschieht, wenn Bücherverbrenner die Macht inne haben. Gerade weil in der Tschechoslowakei der Bildungsgrad stets ein hoher war und Bücher dort ein besonderes Gewicht haben, darf man von Zet erwarten, daß er weiß, daß er hier mit den Exkrementen des Bösen spielt. Da soll er (und Sie mit ihm) bitte keine Klage führen, wenn’s davon ein wenig riecht und man auch durchaus etwas schmutzig wird.
    Was Ihren wiederholt vorgetragenen Vorwurf, ich würde Zensur „an der Herrschaft des Rechts vorbei“ ausüben, betrifft: das ist Gesülze.
    1. Ich übe keine Zensur aus, ich sage meine Meinung. Als unbekannter Bürger dieses Landes mit Zugang zum Internet. Das ist alles.
    2. Ich setze kein Recht und exekutiere es nicht. Sollten Sie der Meinung sein, ich bräche das Gesetz, dann empfehle ich, mich bei den zuständigen Behörden zur Anzeige zu bringen.
    3. Recht und Gesetz verbieten mir nicht, gegen eine Aktion zu sein und dagegen zu polemisieren.
    4. Wenn Zet nun einen Rückzieher macht, ihm einige seiner „Sammelstellen“ abhanden kommen oder er des Fördergeldes der Kulturstiftung verlustig geht: dann finde ich das gut und einen schönen Beleg dafür, daß man in diesem Land tatsächlich etwas kleines bewegen kann.
    5. Zet soll sein Ding machen. Aber er muß die Kritik aushalten.
    6. Nebenbei: vielleicht wußten Sie es nicht, aber im NS war die Kritik verboten (um ’36/’37 herum). Es durfte über Kunst und Kultur nur noch positiv geschrieben werden. Mir ist nicht bekannt, warum Sie sich darüber aufregen, daß ich Zet kritisiere – also der eigentliche, der innere Antrieb. Aber Sie werden damit leben müssen, daß ich das weiterhin tue.

  27. Cosmo says:

    Hallo Herr Freud,

    der Vorwurf der eugenischen, sozialdarwinistischen und genetische Argumentation bezieht sich auf Sarrazins Buch:

    „Ganze Clans haben eine lange Tradition von Inzucht und entsprechend viele Behinderungen. Es ist bekannt, dass der Anteil der angeborenen Behinderungen unter den türkischen und kurdischen Migranten weit überdurchschnittlich ist. Aber das Thema wird gern totgeschwiegen. Man könnte ja auf die Idee kommen, dass auch Erbfaktoren für das Versagen von Teilen der türkischen Bevölkerung im deutschen Schulsystem verantwortlich sind.“
    – Deutschland schafft sich ab: 6. Aufl., S. 316

    „Demographisch stellt die enorme Fruchtbarkeit der muslimischen Migranten eine Bedrohung für das kulturelle und zivilisatorische Gleichgewicht im alternden Europa dar“. S. 267

    „So spielen bei Migranten aus dem Nahen Osten auch genetische Belastungen – bedingt durch die dort übliche Heirat zwischen Verwandten – eine erhebliche Rolle und sorgen für einen überdurchschnittlich hohen Anteil an verschiedenen Erbkrankheiten.“ S. 370

    Natürlich kann man Zensur über die Wertegemeinschaft ausüben, an der Rechtsgemeinschaft vorbei.
    In Deutschland funktioniert das noch ziemlich gut, wie man auch an der Debatte um den Bundespräsidenten sehen kann. Da wird auch mit „deutschen Werten“ argumentiert, obwohl es keine klaren gerichtsverwertbaren Vorwürfe gegen ihn gibt.
    Wenn man wiederum ein Tabu wie die Bücherverbrennung (Wertegemeinschaft) berührt, kann man die Freiheit der Kunst (Zet’s Aktion), die durch die westliche Rechtsgemeinschaft eigentlich abgesichert ist, behindern.
    Ich finde, die Rechtsgemeinschaft sollte auch in Deutschland, wie in allen westlichen Demokratien, vor der Wertegemeinschaft stehen, auch wenn es schmerzlich ist.

    Im übrigen denke ich, dass Ihre Instinkte gut sind, auch mir behagt Zet’s Aktion nicht. Hätten Sie ihn doch einfach an der Realität, „ziviliem Ungehorsam“ und Desintresse der Bürger scheitern lassen . . .

  28. freudgermany says:

    Daß es a) Gegenden (vor allem abgeschiedene) und b) Gruppen in großer Zahl gab und in kleiner Zahl noch gibt, in denen Inzucht vorkommt. Darunter versteht man die Paarung „relativ naher Blutsverwandter“. Was relativ nah ist, ist natürlich nicht exakt definierbar. Wikipedia weiß dazu: „Etwa jede vierte türkischstämmige Frau in Deutschland ist mit einem Verwandten verheiratet. Das ergab eine Studie der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung über Familienplanung und Migration im Lebenslauf von Frauen, die im Oktober 2010 vorgestellt wurde. Befragt wurden etwas mehr als 800 türkischstämmige Frauen in Deutschland. Ergebnis: In der ersten Generation waren 33 Prozent der Ehen Verwandtenehen; in zweiten Generation zehn Prozent. Diese Ehen gingen häufiger niedrig qualifizierte Frauen ein und solche, die auf dem Land aufgewachsen waren. Nach dem Grad der Verwandtschaft wurde nicht gefragt. Auch unter Deutschland-Einwanderern aus anderen Ländern (zum Beispiel Libanon, Irak) ist die Verwandtenehe verbreitet. Je traditioneller eine islamische Gemeinschaft lebt, desto mehr Verwandtenehen gibt es offenbar. In der Türkei schätzt man ihre Häufigkeit auf 20 bis 30 Prozent, in Oman liegt sie um das Zwei- bis Dreifache höher.“ Zur Häufigkeit von den von Sarrazin genannten Erkrankungen weiß ich nichts, aber es wäre Sache von hierfür Kompetenten, das erstens in der Beobachtung zu bestätigen / zu widerlegen und zweitens einen Zusammenhang zwischen der Beobachtung – wenn sie stimmt – und der Verwandtenehe zu bestätigen oder zu widerlegen.
    Das Zitat von S. 267 halte ich inhaltlich für richtig, die Wortwahl nicht („Fruchtbarkeit“), und jede demographische Statistik weist sie aus.
    Für das Zitat von S. 370 gilt das gleiche wie für das von S. 316.
    Ich halte es aber für sinnlos, hier über das Buch von Sarrazin zu diskutieren. Gerne bei anderer Gelegenheit.
    – – –
    Ihre Vorstellung, daß, wer Kritik grundsätzlicher Art an solchen Aktionen wie der Zets übt, eine Art von Zensur ausübt, ist falsch. Jeder darf alles und jeden kritisieren. Ich will Zet nicht behindern, aber ihm meinen Ärger, den er verursacht hat, postwendend zurückgeben. Solche Aktionisten leben davon, daß es Menschen gibt, die die Aktion bejubeln, daß es solche gibt, die sie kritisieren – und daß sich die weit überwiegende Zahl der Bevölkerung dafür nicht im Mindesten interessiert. Mehr gibt’s dazu von mir nicht zu sagen.

  29. Cosmo says:

    Und wie soll die Gesellschaft mit Menschen umgehen, die genetisch bedingte Benachteiligungen haben? Wir leben ja alle auf Basis der Grundrechte („all men are created eqal“). Das heisst Chancengleichheit muss hergestellt werden. Das wollen aber nur die „Gutmenschen“ wirklich und nicht Sarrazin. Weil, Förderung, das kostet ja Geld und bringt keinen Profit.

    Sie assoziieren viele Parallelen aus der Nazizeit, die Sie bei den „linken Gutmenschen“ finden. Ich finde eher, im gesamten deutschen Volk und in der Wirtschaft fehlt immer noch ein Bewusstsein der westlichen Zivilisation. Ich bin ja öfter mal in Dänemark, Schweden und Norwegen. Da leben wohl die meisten „Gutmenschen“. Eigenartigerweise sind diese alten Sozialdemokratien die erfolgreichsten und zivilisiertesten Gesellschaften der Welt. Die Frauen arbeiten selbstverständlich, der Reichtum ist gleichmässig verteilt, höchste Lebenserwartung und Zufriedenheit, grösster Reichtum etc. Das alles durch „linkes Gutmenschentum“ und einen starken Staat seit Jahrzehnten. Bravo.
    Natürlich haben auch diese Länder, wie Deutschland, das Problem ihren nationalromantischen Gründungsmythos aus dem 19. Jhdt. mit der offenen westlichen Zivilisation des 21. Jhdts. mental in Einklang zu bringen.

    Gegen die Aktion von Zet protestieren – das finde ich richtig, das ist Meinungsfreiheit. Das Problem ist, das freiwillige, innere Verbot gegen seine Aktion, das jetzt einsetzt, weil irgendjemand ein Nazi-Tabu, damit assoziiert. Wo kommen wir denn hin, wenn einem bei jedem Werk eine Naziparallele einfällt, und man es dadurch in der freien Gesellschaft abschiessen kann? „Kaufmann von Venedig“ verbieten? Eine Grenze sind für mich allerdings Aktionen, wo die Menschenwürde verletzt wird, Opfer der Diktatur beleidigt werden. Aber weil die Grenzen fliesend sind, müssen wir uns an das Recht, als klaren Kompass, halten. Volksverhetzung erfüllt oder nicht? So eine Frage kann man sich auch als Bürger der Rechtsgemeinschaft stellen.

    Sie tragen m.E. (obwohl Sie in der Sache meist Recht haben) nicht positiv zur Diskussionskultur bei, wenn sie beispielsweise die Abgeordneten, mit „linker SA“ assoziieren. Das nutzt sich auch ab. Verharmlost die Nazizeit und trägt dazu bei, dass junge Menschen, die die Diktatur nicht gesehen haben, Diktatur von Demokratie als System nicht mehr unterscheiden können – ich sehe das dauernd. Und die Demokratie dadurch nicht mehr als wertvolles, grundlegend anderes System betrachten. Wir brauchen mehr Erziehung zur Demokratie und weniger Nazivergleiche.
    Und am allerbesten wäre es, wenn wir alle für die Freiheit der Syrer direkt eintreten. Darum fände ich es gut, dass wir generell als Staat Staaten wie Syrien, Saudi-Arabien,Jemen, Ägypten, Iran, Russland, China boycottieren und nicht noch unterstützen, aus wirtschaftlichen Gründen.
    Wenn wir das machen, müssen wir auch nicht mehr auf „linke Gutmenschen“ schimpfen, um unsere eigene Unehrlichkeit im Umgang mit diesen Diktaturen zu kompensieren.

    Schönen Tag & Grüsse vom Bodensee

  30. Cosmo says:

    Noch ein kleiner Nachtrag: Warum fördert die CSU den Handel mit faschistoiden Diktaturen wie Iran und Saudi-Arabien? Ausgerechnet Waffenlieferungen an diese Feinde der Menscheit? Was sagen Sie als CSU-Mitglied dazu?

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