Das kleine abc des Nationalsozialisten

Logo der syrischen NSDAP-Schwester SSNPJürgen Todenhöfer, Nazi-Unterstützer

Der Zeitgenosse auf diesem Bild wird heuer 72. Nein, das Bild ist nicht ein paar Jahrzehnte, sondern nur vier Jahre alt; vielmehr trimmt sich der Kerl gerne auf jung, wie es scheint. Es handelt sich dabei um Jürgen Todenhöfer. Wer ihn nicht kennt, muß sich den Namen nicht mehr merken; der Mann hat abgewirtschaftet bis zum Gehtgarnichtmehr. Aber als Type, als Ausscheidungsprodukt gefährlicher Zeitläufte, als Schmock vom Dienst ist dieser Jürgen Todenhöfer bemerkenswert und darf sich einer kurzen Behandlung hier erfreuen.

Das Todenhöfer will mitspielen, bei all den Großen. In Deutschland gilt der alte Fahrensmann noch etwas, er wird noch halb aus dem Grabe in ein Fernsehstudio gezerrt, damit er in kaum verständlichem Genuschel dem staunenden Dummbeutel erklärt, wie die Welt funktioniert. Nun sind schon diejenigen Fossile, die vom Halbbildungspöbel als „große Nummern“ anerkannt werden wie etwa Peter Scholl-Latour, von arg begrenztem Wert: sie wissen ja kaum etwas zu sagen, außer anzugeben, bis die Schwarte kracht: bei wem sie schon alles auf dem Sofa saßen, daß sie – und sie alleine – wissen, wie der Weltfrieden geht, daß die Amis blöd sind und so weiter. In dieser Liga will nun einer mitspielen, der ein Buch mit dem schönen Titel „Ich denke deutsch“ verfaßt hat, eben der Todenhöfer Jürgen. Was qualifiziert ihn dazu?

Zunächst einmal kennt der Bub sich aus. Das weiß schon der syrische Präsident Assad, denn eine seiner Beraterinnen, Sheherazad Jaafari, pries Todenhöfer als „the German thinker“. Wenn das mal keine Qualifikation ist! Und da ist noch mehr. Todenhöfer hat Fachwissen. So weiß er, daß die syrische Partei SSNP „gemäßigt“ ist. Die SSNP hat ein Hakenkreuz-ähnliches Symbol (siehe oben), und das ist kein Zufall. Sie ist so antisemitisch wie Julius Streicher, so anti-israelisch wie Ahmadinedschad, und da kommt der Todenhöfer daher und hat tatsächlich die Chuzpe, von dieser Partei als „gemäßigt“ zu reden. Da fühlt man sich direkt aufgefordert, eine andere „gemäßigte“ antisemitische Partei unter die Lupe zu nehmen, aus Vergleichszwecken: um einmal zu überprüfen, wie das bei denen lief, damit man versteht, was bei Todenhöfer & Co. heute läuft. Und da fällt nicht nur auf, daß, von Antisemit zu Antisemit, von Nazi zu Nazi, man sich gegenseitig bescheinigt, daß man selbst doch nichts anderes als normal sei. Das ist halt so, im Milieu. Wenn drei Prostituierte sich auf einen Café treffen, dann bestätigen sie sich schon durch die Tatsache als solche, daß ihr Dasein als Huren etwas normales sei. Wenn im Innenhof einer JVA ein Halbdutzend Drogenhändler beieinander stehen und Knastgespräche führen, dann glauben diese Leute vielleicht, daß ihr Dasein als Gefängnisinsassen, ihr Dasein als Drogendealer etwas normales sei. Wenn man innerhalb des eigenen Milieus bleibt, bemerkt man manchmal gar nicht, wie abartig das eigene Milieu ist (mit der Bitte um Pardon an alle Prostituierten, die das vielleicht lesen: es mag diese Tätigkeit ja nicht toll sein, aber mit Dealern oder Nazis auf eine Stufe gestellt zu werden, war nicht gewollt noch beabsichtigt). Und dann glaubt eben der Todenhöfer, daß die SSNP eine „gemäßigte“ nationalsozialistische Partei sei – ja, dafür steht die Abkürzung: SSNP = Syrian Social Nationalist Party. Gut, zugegeben, sie nennen sich Sozialnationialisten und nicht etwa Nationalsozialisten; das dürfte aber nicht irritieren: man weiß, woran man da ist. Die „Hymne“ der Partei heißt übrigens „Syria, Syria, über alles“, und wird zu den Klängen des Deutschlandliedes gesungen. Und das eben ist das kleine abc des Nationalsozialisten: der Versuch, das Unmenschliche als eine Anschauung unter vielen in den politischen Diskurs einzufügen. Es ist übrigens auch der Titel einer kleinen Schrift des Joseph Goebbels aus den späten 1920er Jahren.

Famos, Du Todenhöfer, was Du so alles unter gemäßigt subsumierst! Ich möchte von diesem Zeitgenossen gar nicht mehr wissen, wen er noch alles für gemäßigt hält – Göring womöglich, weil der sich im November 1938 bei Hitler über die vor allem von Goebbels angestiftete Reichskristallnacht beschwerte (nein, nicht der Juden oder der abgebrannten Synagogen wegen – Göring tat es um das viele, zerschmissene Glas leid…), oder Himmler vielleicht, der doch im Dezember 1944 die Vernichtungen anhalten ließ, weil er ein Verhandlungsgut haben wollte – nein, es ist nicht zweckmäßig, das Todenhöfer danach zu fragen. Es sollte mal lieber erklären, wen es für nicht gemäßigt hält. Amon Göth? Julius Streicher? Robert Ley? Hermann Frank?

Schade, schade, daß Herbert Wehner nicht mehr lebt. Der hat dem Todenhöfer bei seinem besseren, seinem eigentlichen Namen genannt: Hodentöter.

Git Schabbes.

Idee und etwas Material zu diesem Beitrag entnahm ich dem WADIBlog von Thomas von der Osten-Sacken: http://www.wadinet.de/blog/?p=8761
Dort auch weitere Links zur SSNP.
Zum SPIEGEL-Artikel mit den gehackten Assad-eMails: http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,821618-4,00.html
Zur Person und zum Zitat von Herbert Wehner: http://de.wikipedia.org/wiki/Herbert_Wehner / http://de.wikipedia.org/wiki/Herbert_Wehner#Rhetorik
Zur SSNP hat die deutsche Wikipedia nichts, aber es gibt ja noch die englischsprachige: http://en.wikipedia.org/wiki/SSNP#Criticism
Bilder: Wikimedia Commons
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GEW, Auslandsabteilung Frankreich?

Die deutsche Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft, kurz GEW, ist dafür bekannt, daß sie so ziemlich jedem linksreaktionärem Gutmenschen (™ H. Broder) hinterherhechelt. In Frankreich existiert offenbar eine ähnliche Gewerkschaft, die ähnlichen Dummfug verbreitet.

Was ist passiert? Ein, man erinnert sich vielleicht noch, junger Mann irgendwo zwischen Sexualverbrecher und Amon Göth, kam in Toulouse zu Tode, als er sein Badezimmer verließ. Zuvor hatte er die Tochter der Nachbarin belästigt, drei französische Fallschirmspringer erschossen und einen schwer verletzt, einen Rabbi und drei Kinder getötet, ja, er ist ihnen hinterhergelaufen und hat ihnen die Waffe auf den Kopf gedrückt, bevor er schoß. Bald war er entdeckt und umstellt; da berief er sich auf seine religiöse Weltanschauung, den Islam, und auf deren – seiner Meinung nach – oberste Lenkungsbehörde al-Qaida. Oder er berief sich auf seine politische Weltanschauung, den Islamismus, und deren oberste Lenkungsbehörde al-Qaida. Nachdem er also den Kampf des Islam/-ismus gepredigt und sich seiner feigen Mordtaten auch noch zu rühmen wagte, bekam dieses Prachtexemplar von antiwestlichem, antisemitischen miesen Stück von Mörder – nicht wirklich überraschend – einige Gramm Metall in seinen Schädel, auf daß seine irdische Existenz ihrem nicht unverdienten Ende zugeführt würde.

So weit, so schlecht. Nun kommen die Reaktionen der Politik, Antisemit Gabriel schwafelt von Gaza als Apartheid-Staat (ja, das gehört hierher), der alte Sack Scholl-Latour weiß seinen üblichen Arabien-geilen Senf dazuzugeben, der auf jugendlich getrimmte Greis Todenhöfer (aktuell mit einer Imageverbesserung für Assad beauftragt) gibt sein übliches Gesabbere ab, La France paßt den Wahlkampf an und dreht die Lautstärke etwas runter, sogar die Frontfrau derer, die in der collaboration 40-44 sonst wohl eher etwas Gutes sehen, war relativ maulfaul geworden, was bei Marine Le Pen eher selten ist. Und in Frankreichs Schulen wird eine Schweigeminute zum Gedenken an die ermordeten Schüler abgehalten. Ob so etwas etwas bringt, vermag ich nicht zu beurteilen. Aber es ist zivilisatorischer Konsens, und daher will ich mich jetzt nicht darüber auslassen, daß Symbolpolitik mit leeren Händen keinen besonderen Wert hat, sondern auf die Dauer die Sache beschädigt, die zu schützen ihr Zweck sein sollte. Aber gut, es ist eben so gewollt, daß die Menschen sich solcherart der Erkenntnis vergewissern, daß hier etwas geschah, gegen das alle etwas haben müssen. Wohlan denn, Schweigeminute los.

Dann aber kommt so eine etwas anderes gestrickte Lehrerin daher. Ihr Problem sind nicht die ermordeten Kinder, der ermordete Rabbi, die drei ermordeten französischen Soldaten – ihr Problem ist der arme Mohammed Merah. Und um dieses Problem öffentlich zu machen – heutzutage meint ja jeder, mit einem emotionalen Rülpser möglichst viel Öffentlichkeit erreichen müssen zu dürfen – veranstaltet sie in ihrer Klasse eine Schweigeminute der anderen Art: nicht für die Opfer, nein, sondern für den Täter.

Der Massenmörder Merah sei ein Opfer, befand diese Person. Das mit al-Qaida sei eine Erfindung der Medien, wußte sie zu melden. Oder von Sarkozy. Das alles ist sehr traurig. Wir kennen Berichte von alleinstehenden Frauen, die sich in Insassen von Todeszellen verlieben, einen Briefkontakt aufbauen und dann, kurz vor der Hinrichtung, noch flott heiraten. Was diese Frauen antreibt, ist Gegenstand psychiatrischer Untersuchungen (und vermutlich auch von Kallwass, die das mit einer Familienaufstellung therapiert). Das alles gehört zum Wahnsinn, den wir alle miterleben – und der, das sollte man nicht übersehen, um ein ordentliches Maß schlimmer geworden ist, als er vor zwanzig, vor zehn, ja: noch vor fünf Jahren war. An dieser Stelle könnte man die Beurteilung des Geschehens beenden. Könnte – kann man aber nicht. Denn es kommt noch etwas.

„Nach Angaben der Bildungsgewerkschaft handelt es sich bei dieser Lehrerin nicht um eine Extremistin“, meldet eine Nachrichtenagentur. Keine Extremistin? Was denn sonst? Eine verantwortungsbewußte Lehrerin? Oder die Mitte der Gesellschaft? Diesem geschwätzigen Dummbeutel, der das sagte, würde ich heute gerne begegnen und ihm seine Worte in seinen Hals zurückschreien, auf daß er lernt, wann er künftig sein dummes Maul zu halten hat.

Trotz Schabbes bin ich etwas heftig in meiner Ausdrucksweise. Aber es ist bereits eine entschärfte Version.
Amon Göth: http://de.wikipedia.org/wiki/Amon_G%C3%B6th
Die Agenturmeldung bei bild.de: http://www.bild.de/home/telegramm/home-telegramm/telegramm-15478948,textId=23311664,tabindex=0.bild.html

Das Böse ist dumm.

EU-Außenbeauftragte C. Ashton

Diese Britin ist die EU-Außenbeauftragte Ashton. Nach dem Mord an einem Rabbi und drei jüdischen Kindern im französischen Toulouse brachte diese Zeitgenossin folgende Worte zustande: „Wenn wir daran denken, was heute in Toulouse passiert ist, erinnern wir uns daran, was letztes Jahr in Norwegen passiert ist, wir wissen was momentan in Syrien passiert und wir sehen, was in Gaza und an anderen Orten passiert, wir denken an junge Menschen und Kinder, die ihr Leben verloren haben“.

Wie verwirrt, wie verirrt darf ein Mensch sein, der in verantwortungsvoller Position steht? Wie wahnhaft dürfen Gedanken sein, die von der Pseudo-EU-Außenministerin geäußert werden dürfen?

Diese Zeitgenossin verdeutlicht eine einfache Tatsache: es ist nicht richtig, zu allem auf gleiche Distanz oder in gleiche Nähe zu gehen. Es ist eben nicht alles gleich. Wer sich vom demokratischen Rechtsstaat Israel ebenso weit distanziert wie von Gaza, der erklärt zwangsläufig eine demokratische Regierung zu etwas gleich wertlosem wie die Führung einer Mördertruppe. Wer Morde an Schulkindern mit Defensivreaktionen der IDF gegen militante Jugendliche in Gaza, also: den Jungterroristen, gleichsetzt, der zeigt, daß er nicht wert noch würdig ist, für die EU zu sprechen. In der EU gelten Werte, die nicht dafür da sind, daß Lady Ashton auf sie spuckt.

Zitat aus der WELT online: http://www.welt.de/politik/ausland/article13932088/Ashton-vergleicht-Opfer-von-Toulouse-mit-Gaza-Toten.html
Bild: Wikimedia Commons

Götz Aly: Auch nur ein kleiner, mieser Israel-Hasser? Ja.

Wenn Du geschwiegen hättest, Götz Aly, wärest Du ein Philosoph geblieben. Aber Du hast nicht geschwiegen, Du hast Dich verplappert, Du hast Dich verraten.

Götz Aly ist ein anti-israelischer Propagandist. Wer von solchem Haß auf Israel getrieben ist, der hat jeden Anspruch, in der öffentlichen Diskussion als seriös zur Kenntnis genommen zu werden, verwirkt.

Wie komme ich zu dieser Aussage? Zunächst: nicht ich komme dazu, ich wurde auf sie gestoßen, und zwar von Clemens Heni. Wie kommt er zu dieser Aussage? Das läßt sich gut belegen. Am 31.05.2010 stoppte die israelische Marine einige alte Boote und Schiffe, die viel abgelaufene Nahrung und zahlreiche Islamisten, Antizionisten und Antisemiten an Bord hatten (darunter natürlich auch den antisemitischen Pöbel der Linkspartei à la Annette Groth, Inge Höger und Norman Paech, allerdings nach Geschlechtern getrennt, wie die Islamisten es gerne sehen). Die Schiffe sollten, wie man sich erinnern wird, trotz einer rechtmäßigen Blockade des Seegebiets vor Gaza eben dorthin fahren. Bei diesem Einsatz wurden die enternden israelischen Soldaten mit Äxten, Beilen, Messern angegriffen; als sie – mit Schußwaffen – zurückschlugen, gab es schließlich neun tote „Aktivisten“ und sieben verletzte israelische Soldaten.

Das war eine unerfreuliche Affäre; wer würde das bestreiten? Natürlich war Israel berechtigt, die unkontrollierte Warenlieferung nach Gaza zu unterbinden, denn von dort wird Terror nach Israel ausgeübt. Aber wenn auf der einen Seite neun Tote, auf der anderen sieben Verletzte bleiben, dann darf man fragen, ob bei diesem Einsatz unnötige, nicht erforderliche Brutalität im Einsatz war. Wohl gemerkt: man darf das fragen. Das bedeutet nicht, daß man es a priori weiß. Aber einer, der sofort alles wußte, war Götz Aly. Bereits am 01.06.2010, also nicht einmal einen Tag, sondern nur wenige Stunden nach dem Vorfall, erschien in der Berliner Zeitung online ein längerer Text von Aly. In diesem schreibt Götz Aly:

„Seit Tagen tuckerte der Hilfskonvoi für Gaza mit sechs uralten Schiffen durchs Mittelmeer. Die Initiatoren wollten Israel herausfordern, aber gewiss mit friedlichen Mitteln. Das Massaker, das himmelhoch überlegene israelische Elitesoldaten gestern an wehrlosen Zivilisten angerichtet haben, ist ein feiges Verbrechen, das kein Recht, kein Kriegsvölkerrecht deckt. Bei aller Liebe zu Israel und seinen Bürgern halte ich die Formel „Unverhältnismäßigkeit der Mittel“ für deutlich zu schwach.“ (Link: siehe unten)

Es geht hier nicht um Alys Kritik an der Verhältnismäßigkeit der Mittel. Ich wiederhole, daß man hier Fragen stellen kann und daß man mit der Antwort der Israelis nicht zufrieden sein muß. Das aber ist nicht das, was Aly hier tut. Aly hetzt.

Es fängt damit an, daß er den (islamistischen, mit der Hamas vernetzten und beim Auslaufen in Istanbul per Sprechchören zum Mord an allen Juden (!) auffordernden) „Aktivisten“ lauter Attribute beigesellt, die diese harmlos, friedlich und freundlich erscheinen lassen sollen: Es sei ein Hilfskonvoi, er tuckert. Keine Rede davon, daß Gaza nicht deswegen abgeriegelt ist, um Hilfe zum Überleben zu blockieren, sondern um Terroranschläge gegen Israel zu erschweren. Das verniedlichende Tuckern läßt einen natürlich eher an „Jim Knopf und Lukas, den Lokomotivführer“ denken als an die Fünfte Kolonne der Mordbrenner von der Hamas. Zwar, gesteht Aly zu, wolle man Israel „herausfordern“, jedoch, soviel weiß er, „gewiß mit friedlichen Mitteln“. Ach ja, Götz? Woher weißt Du? Und mit welchem Recht brechen „Initiatoren“, wie Du wieder ein freundlich klingendes Wort wählst, eine völkerrechtlich völlig legitime Maßnahme gegen eine terroristische Struktur wie den Gaza-Streifen? Mit derlei Fragen hältst Du Dich nicht auf, Häuptling Schnelle Zunge, und schon rattert es weiter, das Dich peinlich entlarvende Maschinengewehr Deiner Obsessionen: Ein „Massaker“ hätten „himmelhoch überlegene israelische Elitesoldaten“ an „wehrlosen Zivilisten“ angerichtet. Die Wortwahl, Götz, entlarvt Dich! Es war kein „Massaker“. Auf diesem blöden Schiff waren knapp 600 Menschen (einschließlich der deutschen Antisemiten). Wenn die sich mit Waffen gegen die Enterung wehren und es neun Tote gibt, dann ist das schlimm – aber kein Massaker. Das nämlich ist die Hinrichtung von Menschen, die sich bereits ergeben haben. Will Aly insinuieren, die Israelis hätten die, die sich gegen das Aufhalten der Schiffe wehrten, erst nach deren Festnahme getötet? Offensichtlich will er das. Was meint er mit den „wehrlosen Zivilisten“? Sind es nicht immer und ausschließlich „Zivilisten“, die Terror gegen Israel ausüben? Natürlich sind es immer „Zivilisten“, und Aly weiß das. Ein palästinensischer Attentäter steigt ja nicht mit einer Hamas-Uniform bekleidet in einen Bus in Tel-Aviv, um ihn mitsamt der Menschen darin zu sprengen. Deswegen gibt es auch gar keine Hamas-Uniform. Es gibt auch keine IRA-Uniform, keine der RAF oder der Wehrsportgruppe Hoffmann. Aly verfremdet Worte, lädt sie mit subtilen Botschaften auf, und verwendet sie so auf miese, propagandistische Art und Weise.

Natürlich: das darf einer tun. Propaganda zu treiben, ist meist nicht strafbar. Wir sind derlei ja auch gewöhnt. Zum Beispiel dann, wenn uns irgendein Schmock erzählen will, daß Ahmadinedschad noch nie Israels Vernichtung gefordert habe – das sei ein Übersetzungsfehler. Oder wenn Sabine Ich finde den Aiman ja so toll Schiffer mal wieder im iranischen Staatssender verkündet, daß die Scharia doch an sich knorke sei. Aber das sind dann eben Schmoks, das sind Nudniks, das sind irgendwelche Pappnasen, das sind Zeitgenossen, von denen jeder weiß, was sie sind – und jeder weiß: die treiben eben Propaganda. Das sind mal Antisemiten, mal Antizionisten, mal Antiisraelis (und meistens alles auf einmal). Aber wenn da ein Götz Aly daherkommt, ein doch im Ganzen anerkannten Historiker und Publizist, der im öffentlichen Diskurs wahrgenommen wird, der bei S. Fischer verlegt wird und nicht etwa bei Druffel – ja, da wird man doch fragen dürfen, fragen müssen: Was ist da los, Götz? Was ritt Dich?

Jedoch: die Antwort brauche ich nicht mehr. Man mag mir vorwerfen, ich sollte doch warten, vielleicht hat Aly auf diese Vorwürfe eine Antwort, die ihnen zumindest die Spitze nähmen. Aber nein, ich brauche nicht mehr zu warten mit dem Urteil – aus einem einfachen Grund. Götz Aly schrieb diesen propagandistischen Schund, der mit seiner Arbeit als Historiker so unvereinbar ist wie ein Einführungstext zu den „Protokollen der Weisen von Zion“, nicht einmal 24 Stunden nach den Ereignissen, die er da bewertet. Die Agenturmeldungen gingen noch viele Stunden recht durcheinander – kein Problem für Aly, der kann schon mal richten. Noch wußte niemand, ob die „Aktivisten“ die israelischen Soldaten angriffen (ja, taten sie, und nicht mit bloßen Fäusten) – Aly wußte schon genug, um das Gegenteil zu schreiben. Noch war nicht aufgeklärt, wer hier auf dem Schiff und zu welchem wirklichen Zweck unterwegs war, auch wenn es schon zahlreiche Veröffentlichungen dazu gab – aber Aly wußte schon alles: einerseits nur „mit friedlichen Mitteln“ und „Hilfsgüter“ und „Initiatoren“ und vor allem „wehrlose Zivilisten“, andererseits „überlegene Elitesoldaten“, die ein „feiges Verbrechen“, ein „Massaker“ anrichten,  und was an derlei schäbigen Propagandaausdrücken mehr war. Da muß man nicht mehr abwarten, ob Aly diesen Dreck noch weißzuwaschen sucht. Wer so spricht, der hat sich verraten. Das ist die Sprache dessen, der aufgrund einer Aufwallung, eines emotionalen Rülpsers seinen Mund, seine tippenden Finger nicht mehr im Zaume hat, mit dem es durchgeht, „in dem es denkt“. Sicher bedauert Aly seine Worte – aber nur deswegen, weil sie ihn verrieten, weil sie ihn entlarvten. Wer so schreibt, der mag sich um einen Job beim Propagandaamt der Hamas bewerben oder gemeinsam mit Sabine Schiffer im iranischen Staatsrundfunk den sich anbiedernden Kuffar geben. Aus dem Diskurs der seriösen Geschichtswissenschaft ist so jemand aber draußen. Für immer.

si tacuisses, philosophus mansisses: http://de.wikipedia.org/wiki/Si_tacuisses,_philosophus_mansisses#Si_tacuisses.2C_philosophus_mansisses.
Clemens Heni: http://de.wikipedia.org/wiki/Clemens_Heni
Ship to Gaza-Zwischenfall: http://de.wikipedia.org/wiki/Ship-to-Gaza-Zwischenfall
Götz Aly in der BZ online: http://www.berliner-zeitung.de/archiv/von-goetz-aly–historiker-israelisches-massaker,10810590,10720272.html
Massaker: http://de.wikipedia.org/wiki/Massaker
Zivilist: http://de.wikipedia.org/wiki/Zivilist
Sabine Schiffer: http://www.achgut.com/dadgdx/index.php/dadgd/article/kroever/ mit drei weiteren Links
Wehrsportgruppen Hoffmann: http://de.wikipedia.org/wiki/Wehrsportgruppe_Hoffmann
Druffel-Verlag: http://de.wikipedia.org/wiki/Druffel-Verlag#Druffel-Verlag
 

Nachtrag: Henryk M. Broder weist darauf hin, daß Götz Aly eine Woche später seine Äußerungen „mit gestiegenem Puls“ und in seiner Sicht durch den „Informationsnebel“ behindert schrieb. Das ist dem Aly gewiß zu glauben. Das ist zunächst einmal unprofessionelles Verhalten, aber das mag der eine für schlimm, der andere für läßlich halten; sicherlich ist wohl jedem schon einmal ein Schnellschuß unterlaufen, und das rechtfertigt ganz sicher nicht eine solche Philippika gegen Aly. Warum also bleibe ich dabei, mich auf den ersten Artikel von Aly zu beziehen und den zweiten, den mit der „Entschuldigung“, nicht ernst zu nehmen? Ich denke, es ist bereits klar: Alles, was Aly mit „Puls“ und „Informationsnebel“ entschuldigen möchte, habe ich bereits entschuldigt. Das aber, was danach noch übrig bleibt, hat nichts damit zu tun. Wer so schreibt, wie Aly schrieb, der hat eine innere Bereitschaft, in Israel das Böse zu sehen, und diese Bereitschaft brach sich Bahn. Wer den zweiten Artikel Alys liest, wird feststellen: damit macht er die Sache eigentlich noch schlimmer, denn er entschuldigt seine radikale Einseitigkeit, seine Israel-Feindschaft aus dem ersten Artikel damit, daß ihm keine Argumente bekannt waren, die daran zweifeln ließen. Damit hat sich nochmals und erneut bloßgestellt.

Der „Es tut mir leid“-Artikel von Götz Aly in der Berliner Zeitung online vom 08.06.2010: http://www.berliner-zeitung.de/archiv/von-goetz-aly–historiker-die-gewalt-der-gaza-aktivisten,10810590,10721802.html

Lektüre


In jüdischen Familien wäre der Satz „Lesen schadet den Augen“ nicht zu hören, sagte Götz Aly gestern auf einer sehr gut besuchten Veranstaltung in Nürnberg. Lesen wir es cum grano salis, dann stimmt es womöglich. Aly war ganz ordentlich – und ein besserer Redner, auch: Plauderer, als erwartet. Heute aber, beinahe hätten wir es gar nicht mitbekommen, war ein anderer in Nürnberg: Clemens Heni. Ein mir auch in seiner wissenschaftlichen Herangehensweise sympathischer, weil zwar meinungsstark, aber redlich argumentierender, ganz offenkundig profunder Kenner der Materie Antisemitismus und Antisemitismusforschung. Bücher dieser beiden Genannten waren bzw. sind aktuell in Arbeit. Außerdem habe ich, ganz ungewöhnlich, derzeit drei Prosa-Werke gelesen oder bin dabei. Einmal der Eco – großartig, wenn Eco einem armen, nicht-italienischen Leser den Zugang auch nicht gerade erleichtert. Einmal ein Buch aus meinen Kindertagen, eines der ersten eigenen Bücher: Emil und die Detektive. Schön, daß die Aufmachung beinahe noch die gleiche ist wie in den 1970ern. Fleißg war Markus Roth bei seinem sehr detaillierten, zumindest mir viele Mechanismen nationalsozialistischer Herrschaft en detail aufzeigenden Buch „Herrenmenschen – Die deutschen Kreishauptleute im besetzten Polen“. So fügt sich die aktuelle Lektüre zu einem recht bunten Strauß. Der aufmerksame Leser hat vielleicht bemerkt, daß drei Prosa-Werke angekündigt, aber nur zwei benamt wurden. Ja, das ist zwar richtig – aber man muß ja nicht alles öffentlich machen.