Namen und Zeitläufte

Günther ist ein alter, deutscher, also: althochdeutscher Name. Gund steht für Kampf und her für Heer. Sogar das Ü soll schon im Mittelalter Usus gewesen sein. Von 1923 bis 1932 war Günt(h)er der beliebteste Vorname Deutschlands; die Form ohne H war die seltenere.

Von den 31 Günter (ohne H), die es in der deutschen Wikipedia zu einem eigenen Artikel brachten, wurden 10 – also ein Drittel – in den Kriegsjahren 1941-1944 geboren. Es ist Küchenpsychologie, wenn ein Zusammenhang vermutet wird zwischen dem kerndeutschen Namen, der theutschen Schreibweise ohne H, dem Gunther aus der zwar schönen, aber natürlich auch NS-kompatiblen Nibelungensage. Aber was sagt das, selbst wenn es übereinstimmt? Eben: über den Namensträger nichts, und über die Namensgeber bestenfalls etwas im Range eines Gerüchts. Trotzdem sind derlei Überlegungen unterhaltsam, denn sie kombinieren verschiedene Aspekte einer Kultur miteinander. Dabei kommt manchmal etwas heraus, manchmal – wie hier – nichts.

Hier ein paar Günter (ohne H) zur Auswahl:

  • Günter Grass (* 1927) – Nobelpreis-tragender SS-Mann
  • Günter Guillaume (* 1927) – DDR-Spion
  • Günter Kießling (* 1925) – heterosexueller Bundeswehr-General
  • Günter Mast (* 1926) – Jägermeister-Produzent
  • Günter Mittag (* 1926) – DDR-Wirtschaftslenker
  • Günter Netzer (* 1944) – Fußballspieler, Fußballerklärer
  • Günter Pfitzmann (* 1924) – Schauspieler
  • Günter Rexrodt (* 1944) – Politiker (FDP)
  • Günter Schabowski (* 1929) – DDR-Politiker, unfreiwilliger Mauer-Öffner
  • Günter Strack (* 1929) – Schauspieler
  • Günter Verheugen (* 1944) – Politiker (FDP, SPD)
  • Günter Wallraff (* 1942) – Halbseriöser „Investigativ-Jornalist“

Bild: Wikimedia Commons

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2 Responses to Namen und Zeitläufte

  1. dass manche in eine Zeit hineingeboren wurden, in der gewisse Eltern ihren Kindern typische Nazi-Namen gaben und dann als 17jährige zur Waffen-SS ging, wurde Menschen wie Grass weder von den westlichen Siegermächten noch vom neugegründeten Judenstaat zum Vorwurf gemacht.

    es waren deutsche 68er, die sich als die neuen Entnazifizierer Deutschlands aufspielten:

    http://aron2201sperber.wordpress.com/2012/04/06/was-ist-grass/

    Grass spielte dieses Spiel mit – fühlte sich jedoch aufgrund seiner Lebenslüge als Opfer.

    Diesen Konflikt lässt er nun an Israel aus.

  2. Pingback: Die Bürde, ein “Günter” zu sein « Aron Sperber

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