Nun erst recht, la France: Sarko wählen!

Ein Blick in die Presse von heute erweckt den Eindruck, als wäre Hollande so gut wie sicher der nächste Präsident Frankreichs. Bei Licht betrachtet, sieht die Sache etwas anders aus. Hollande hat 1,5 % mehr erhalten als Sarkozy; diese sehr überschaubare Vorsprung rechtfertigt die Triumphgesänge kaum. Die rechte Lager ist mit gut 56 % deutlich größer als das linke mit 44 %. Entscheidend wird nicht die Größe der jeweiligen Lager sein, sondern vielmehr die Fähigkeit, dieses Potential zu aktivieren. Hier, das ist wahr, dürfte Sarkozy größere Probleme zu bewältigen haben, denn 18 % der Franzosen haben Marine Le Pen gewählt. Wie viele dieser etwa sieben Millionen Wähler sind letztlich Demokraten, die bereit sind, den Konservativen Sarkozy zu wählen, und wie viele davon sind Rechtsextreme, die ihre Stimme einem Demokraten nicht geben werden? Jedoch hat natürlich Hollande ein ähnliches Problem: er muß Stimmen von den Kommunisten, also: den linken Demokratiefeinden, holen. Mélenchon holte 11,1 % – nun, selbst wenn die Kommunisten zu einem größeren Teil den linken demokratischen Kandidaten wählen, wird es schwer, dadurch mehr Stimmen zu generieren. Bleibt noch die Gruppe des Zentrums – Bayrou holte 9,1 % -, aus der beide Kandidaten Stimmen holen können. Und die Grünen, die aber in Frankreich – ja, bisweilen sind die Franzosen ein erstaunlich kultiviertes Volk mit einer anerkennenswerten Schwarmintelligenz – mit ihrer Kandidatin Joly auf nur 2,2 % der Stimmen kamen, werden es nicht ausmachen, denn bei ihnen sind politisch linke Weltverbesserer eben so vertreten wie konservative Bewahrer.

Es kommt also auf die Front National an. Ungewiß ist, ob Marine Le Pen ihren Wählern empfehlen wird, in der Stichwahl Sarkozy zu wählen. Vor allem aber ist ungewiß, ob die FN-Wähler so einen Rat benötigen oder beherzigen: wie viele von ihnen werden unabhängig von Le Pen nun Sarkozy wählen, wie viele nicht? Der Wähler ist nicht mehr so „weisungsgebunden“, wie er es in früheren Jahrzehnten einmal gewesen sein mag. Ich bin daher keineswegs der Ansicht, die in mir nicht einleuchtender Einhelligkeit von unseren Medien heute vertreten wird, daß Hollande der zu erwartende Wahlsieger sei. Sarkozy hat verhindert, daß Frankreich zum Teil des europäischen Problems wird, sondern Teil der europäischen Lösung bleibt. Die enge Kooperation mit Angela Merkel, die Haushaltskonsolidierung – Sarkozy betreibt eine vernünftige, seinem Land dienende Politik. Der Wähler wird das noch erkennen und Sarkozy im Amt bestätigen.

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