Miese Sozialismusphantasien eines Multimillionärs

Jakob Augstein war gewiß einmal die Hoffnung seiner Väter. Wie schwer wöge ihre Enttäuschung, sähen und läsen sie ihn heute? Nicht nur, daß der Bub einmal allerdringendst zum Friseur müßte – eine solche Frisur tragen vielleicht erschossene Maghreb-Diktatoren, aber sonst niemand -, er sollte vor allem seinem wirren Geschwafel entsagen.

Was dieser Augstein schreibt, ist derartig hanebüchen, daß es schwer fällt, nur die gröbsten Irrsinnigkeiten darzustellen, um sich nicht im Kleinklein all der anderen Wahne zu verlieren.

So schreibt dieser grandios Meinende (aber nichts Wissende), daß am Ende der Krise

  • entweder den Euro
  • oder die freien Märkte
  • oder den europäischen Sozialstaat

nicht mehr geben würde – und das sei, so Augstein, nicht nur irgend so ein Gedanke im unsortierten Unterschlundganglion eines linken Spinners, sondern, halten zu Gnaden, tatsächlich: Wissen.

Du bist es, Jakob! Du bist der Weltenerklärer, Du bist der große Prophet, Du bist es, dessen Kraft zur Analyse endlich Klarheit in die leider ach so komplizierte Welt bringt. Hörten doch nur alle auf Dich, und alles wäre gut… Jakob, wenn der Geist der Welt in einem Charakterschädel sich niedergelassen hat, dann in keinem außer Deinem…

Aber bevor die Hymne auf den Heiligen Geist der Linken endgültig gesungen wird, sollten einige wenige Überprüfungen dieser Verlautbarungen des Generalsekretärs des nach dem Weggang Broders wieder in trauter linken Geschlossenheit vereinten SPIEGEL-Zentralkomitees dazu dienen, deren Gehalt einordnen zu können.

Der Euro wird abgeschafft? Es ist absolut sicher, daß dies nicht geschieht. Nicht nur, daß es Wahnsinn wäre und die Euro-Zone schlankerhand auf das wirtschaftliche Niveau Italiens drückte; nicht nur, daß dieser miese Partikularismus, unter dem dieser Kontinent wie kein anderer der Erde lang litt, miefige Urständ‘ feierte und damit zugleich die – in diesem Falle links motivierten – Blut- und Bodenphantasien näher an die Wirklichkeit heranbrächte; nicht nur, daß Augstein offensichtlich keine Ahnung davon hat, was eine Währung ist und wie Währungen funktionieren – er wird nicht abgeschafft. Das ist für niemanden, der in Verantwortung steht und diese nicht rund um die Uhr mit Füßen tritt, zu keinem Moment eine Option. Sie ist auch nicht der Wirklichkeit entnommen, sondern dem, was solche Typen wie den Augstein bei all ihrer inhaltlichen Bedeutungslosigkeit gefährlich macht: einem Gebräu aus Unwissen, Angst und dem Bedürfnis, die eigene, daraus entstandene Meinung mit möglichst viel Bohei in die Welt hinaus zu blasen.

Die freien Märkte werden abgeschafft? Herrje – hier ist es schwer, sich auf einen Ansatz zu konzentrieren, um diesen Blödsinn zu widerlegen. Das aber nicht deswegen, weil der Gedanken durchschlagend wäre, sondern deswegen, weil er in so wenigen Worten so viel dummes, unwahres Zeug enthält. Zunächst einmal haben wir in Europa kaum freie Märkte. Volkswirtschaftlich wird dann von einer Planwirtschaft gesprochen – also: von einem unfreien Markt -, wenn der Staat mehr als die Hälfte der Gesamtausgaben einer Volkswirtschaft tätigt. Das aber ist bei uns der Fall. Wir haben keine wirklich freien Märkte. Wir haben in unseren sozialen Marktwirtschaften teilregulierte Märkte. Die Märkte können auch nicht abgeschafft werden – werden sie zu unfrei, dann bilden sich parallele Wirtschaftssysteme. Daran kann Pappnase Augstein sich vielleicht noch erinnern, denn er war gewiß als Jugendlicher einmal in der DDR oder in Ost-Berlin (das nach westalliierter Sicht nie integrierter Bestandteil der DDR war): zwar gab es für den ordinären Bürger der DDR im Konsum keine Bananen, aber für ein wenig Westgeld konnte er sich natürlich Bananen organisieren. Zwar gab es in der DDR keinen Markt für West-Zigaretten – aber es gab West-Zigaretten. Daher ist klar: der Markt läßt sich, auch wenn Augstein andere Phantasien haben mag, nur eine gewisse Zeit lang vergewaltigen. Die Vorstellung, Märkte könnten abgeschafft werden, setzt voraus, daß es da jemanden gäbe, der die Macht dazu hätte. Denjenigen aber gibt es nicht. Niemand kann das. Zum Glück, denke ich.

Der europäische Sozialstaat verschwindet? Wie aber kann das denn sein, daß etwas verschwindet, was es gar nicht gibt? Es gibt keinen europäischen Staat. Es gibt auch keine gemeinsamen Sozialstandards, die, gemessen an dem, was bei uns real existiert, nennenswert wären. Außerdem haut unser Oberdurchblicker Augstein hier natürlich – wie stets – Dinge durcheinander, die nicht so viel miteinander zu tun haben; aber was kümmert das unseren Dampfplauderer der höheren Einsicht? Daher, Augstein, aufgemerkt und aufgepaßt: der europäische Sozialstaat, von dem Du da so salbungsvoll laberst, ist nicht existent, sondern ein Fernziel so mancher, das in der Sozialcharta der Europäischen Union umrissen ist. Merkste ‚was? Europäische Union! Nicht aber: Euro-Zone. Aber nun – was kümmern solche Fisimatenten einen solch großen Geist wie den des Jakob Augstein? Viel Wollen, aber keinerlei Substanz. Nur öde daherreden, aber nichts wissen oder verstehen – das sollte doch sogar denen, die, es sei beklagt, politisch in seiner Nähe stehen, mit der Zeit zu denken geben.

Wer immer auch beim SPIEGEL auf die dämliche Idee kam, diesen Jünger der dummeinfachen Lösungen für dieses Blatt oder dessen Internetausgabe schreiben zu lassen, sollte in sich gehen, sich schämen und öffentlich Abbitte tun.

Den Augstein-Blödsinn kann man hier nachlesen: http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,792707,00.html

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Die Verlogenheit der linksreaktionären Gutmenschen

Emblem des MfS; "Hundemarke" der GestapoEs ist nicht zu fassen, was DER SPIEGEL treibt – aber dank der ACHSE DES GUTEN, daß sie diesen Artikel von Wolfgang Röhl veröffentlicht:

http://www.achgut.com/dadgdx/index.php/dadgd/article/blutrache_warum_wir_ex_stasi_leute_schuetzen_muessen/

Es ist so derartig widerlich, daß man sich durchaus fragt, ab welchem Maß von Verantwortungsmißbrauch man rechtlich gegen Journalisten vorgehen können sollte.

Um einer beliebten Platitüde zuvorzukommen: Natürlich gibt es gravierende Unterschiede zwischen der Stasi und der Gestapo, zwischen MfS und SS. Diese Unterschiede liegen insbesondere im Ausmaß des Unrechts, das begangen wurde, wie auch in der Intensität desselben. Auch war die für die Arbeit dieser Einrichtungen maßgebliche Motivation eine ganz und gar verschiedene.

Daneben aber gibt es Gemeinsamkeiten. Stasi und Gestapo waren terroristische Geheimpolizeien, die nach der Beseitigung ihrer Regime mit dem Herunterspielen des eigenen Handelns, mit dem Errichten von „Seilschaften“ und mit einer widerlichen Verharmlosung nach dem Systemwechsel weitgehend der Justiz entgehen und sich trotz der verbrecherischen Vergangenheit ins neue System integrieren wollten. Darauf zielt der verlinkte Artikel ab. Dem Autor besten Dank dafür. Und Broder mal wieder Dank für den gar trefflichen Ausdruck vom reaktionären Gutmenschen – eine treffliche Bezeichnung für derlei Zeitgenossen.

Herman Cain

Herman Cain

Herman Cain

Seit Wochen konnte man in amerikanischen Medien die zunehmende Popularität von Herman Cain als Bewerber um die Präsidentschaftskandidatur der GOP verfolgen. Ob er tatsächlich der Kandidat der Republikaner werden wird, ist schwer abzuschätzen. Vieles spricht dafür; manches dagegen.

Für Cain als Kandidaten spricht: Der Mann kann reden – und er hat etwas zu sagen. Seine Ausdrucksweise folgt vielleicht eher simplen Regeln, aber dafür sind die von ihm gemachten Aussagen nicht gefälliges Bramarbasieren, sondern klare Statements. Während viele seiner Mitbewerber um die Kandidatur typische Flip-Flop-Kandidaten sind, die kaum je klar Ja oder Nein sagen, sondern sich bemühen, es sich mit keinem potentiellen Wähler zu verscherzen, indem sie jedem Ja oder Nein alsbald ein Aber folgen lassen, riskiert Cain es, diesen oder jenen Wähler zu vergrätzen, aber dafür andere um sich mehr für sich einzunehmen.

Es ist klar: das deutsche Feuilleton, die prima facie wahrnehmbaren deutschen Medien sind sogleich bemüht, Cain lächerlich zu machen. Cain war als Vorstand einer staatlichen Zentralbank, als Vorstand von Burger King, als Vorstandsvorsitzender und Miteigentümer von Godfather’s Pizza sehr erfolgreich. Jedoch wird hierzulande weniger gerne betont, daß und wie erfolgreich er war – so sanierte er Godfather’s Pizza, den größten amerikanischen Pizza-Lieferdienst, der als unrettbar der Insolvenz verfallen galt, als Cain übernahm. Und weil beispielsweise DIE  WELT, trotz zuweilen guter journalistischer Arbeit, über einen wie Cain nichts Gutes schreiben will, wird festgestellt, daß unter Cain die Zahl der Filialen dieses Unternehmens von 640 auf gut 500 sank. Kein Wachstum, so die insinuierte Behauptung: „Ein Steve Jobs der Pizzabäcker war Cain kaum“. Was im Übrigen niemals jemand behauptete. Die durch diesen sinnlosen Satz ausgedrückte Feststellung ist natürlich unwahr, denn die Ausgangsbasis, die Bemessungsgrundlage, kann nicht 640 sein – die muß 0 sein. Ohne Cain gäbe es dieses Unternehmen heute nicht mehr.  Er hat also 500 Filialen erhalten. In den USA bestreiten nicht einmal seine politischen Gegner Cains Erfolge; derlei saugt sich ein von Wissen über wirtschaftliche Zusammenhänge offensichtlich weitgehend entledigter Redakteur aus der Nase, um das Haar in der Suppe zu finden. Daß es ohne Cain die ganze Suppe nicht geben würde, ficht diesen Großmeister der Analyse natürlich nicht an…

Cain vertritt klare amerikanische Werte. Er ist nicht so wie die mir etwas verbiestert, böse und gefährlich scheinende Michele Bachman, die doch tatsächlich in den Schulen den Creationism gleichberechtigt zur Evolution lehren lassen will (was mit amerikanischen Werten nichts mehr zu tun hat, denn die Trennung von Kirche und Staat muß auch zur Folge haben, daß Religliöses, also: Glaube, von der Schule nicht als Wissen vermittelt werden darf). Diese Frage ist für Präsidenten zwar unerheblich, da Bildung in den USA wie bei uns Ländersache ist, aber wer derlei tatsächlich ernsthaft erwägt, gehört meiner Meinung nach eher in die Esoterik-Abteilung von Thalia als ins Weiße Haus. Er – Cain – ist nicht so beliebig wie Mitt Romney, der seine Meinung schneller ändert als seine Redenschreiber mitkommen, und der gegen Obama antreten will, obwohl er die grundsätzlichen Aspekte von Obamas Politik nicht wirklich kritisiert und selbst ähnlich regierte (auch ähnlich erfolglos). Er – Cain – ist nicht ein derartiger Ausfall in öffentlichen Auftritten wie Rick Perry, dem die eigenen Anhänger schneller davonlaufen, als Meinungsumfragen veröffentlicht werden, oder so alt(erstarrsinnig) wie Ron Paul, der eher irrlichtert und Meinungen irgendwo zwischen Newt Gingrich und Nancy Pelosi vertritt.

Ferner überraschte Cain Freund und Feind mit seinem 9/9/9-Plan: 9 % Einkommenssteuer für alle, 9 % Körperschaftssteuer für alle Unternehmen, und 9 % Bundesumsatzsteuer (die es in den USA bisher nicht gibt; Umsatzsteuer erheben bisher ausschließlich Staaten, Gemeinden und Counties). Nun wird dieser Plan heftig diskutiert; er erhält von Politikern und Wirtschaftswissenschaftlern wie Wirtschaftsführern Zustimmung und Ablehnung. Die Tea Party ist teils dagegen – mit der aus ihrer Sichtweise nachvollziehbaren Begründung, daß mit der Bundesumsatzsteuer eine neue Steuer eingeführt wird, und man keineswegs sicher sein kann, daß der Congress sie nicht bei nächster sich bietender Gelegenheit erhöhen wird. Das sind nachvollziehbare Vorbehalte, auf die man aber auch gute Antworten finden kann.

Was Cain von allen anderen Kandidaten – und, schlimm ist es, das festzustellen, von Präsident Obama – unterscheidet, ist, daß er einen Plan hat. Die anderen Kandidaten ergehen sich in unklaren Schwurbeleien ohne Gehalt. Deswegen werden diese anderen Kandidaten auch – nachvollziehbar und zurecht – als beliebig wahrgenommen, auch in gewissem Maße als unehrlich. Wer Cains Argumenten nicht zu folgen vermag, der soll ihn auch nicht wählen – und der, der Cain wählt, weiß, was er bekommen wird.

Cains 9/9/9-Plan entspringt einer klaren, wirtschaftsfreundlichen Sichtweise. Einer von Cains stets wiederholten Grundsätze lautet, daß man beim Zug der Wirtschaft dafür sorgen muß, daß die Lok ausreichend unter Dampf steht – dann ist auch genügend Leistung da, um viele Waggons zu ziehen und um diese angenehm zu heizen. Wenn aber die Lok nicht hinreichend unter Dampf steht, dann riskiert man den Fortbestand des Zuges an sich. Das mag man für eine simplifizierende Ausdrucksweise halten – gut und schön, aber es zeigt, woran Cain glaubt: an den Markt. Dieses Vertrauen in die Kräfte des Marktes, die sich seit eh und je erwiesen haben, unterscheidet Cain von Obama, der zunehmend wirklich sozialistische Ansätze verfolgt.

Cain ist, last not least, ein wirklicher Freund Israels. Keiner, der sich mal eben so bezeichnet und danach die Völkermörder von der Hamas hofiert; keiner, der seinen latenten Antisemitismus, wie auch beim deutschen, linken Mainstream üblich, hinter dem Nachplappern palästinensisch-blöder Propaganda und vorgeblicher Israel-Kritik zu verbergen sucht, sondern ein klarer Vertreter der Erkenntnis, daß der, der Israel beisteht, die Interessen der westlichen Welt vertritt.

http://www.hermancain.com/h

Diese Seite ist einen Besuch wert. Und, nebenbei bemerkt: Keine Sorge vor den Spendenaufrufen. Im amerikanischen Wahlkampf sind grundsätzlich Spenden aus dem Ausland verboten.

Cain stammt aus der Arbeiterschicht; sein Vater hatte drei Jobs, um die Familie durchzubringen. Er besuchte keine der berühmten Unis mit weltweit bekanntem Markennamen, sondern eine normale Uni. Aus Atlanta stammend, dem Sitz von Vom Winde verweht, Coca Cola und CNN, hat Cain sich aus einer benachteiligten Gruppe bei schlechter Ausgangsbasis emporgearbeitet und ist damit die Verkörperung des Amercian Dream.

Die politischen Überzeugungen Cains sind im Großen und Ganzen schnell aufgezählt: Demokratie, Freiheit, Verantwortung. Er ist im Zweifel kein Ideologie, sondern Pragmatiker. Er hält viel von einem möglichst frei agierenden Markt. Cain ist ein erklärter Gegner des Islamismus.

Er ist damit der Gegenentwurf zu Barack Obama, der in der Aufzählung lediglich eine Gemeinsamkeit aufzuweisen hat: auch Obama ist sicherlich ein Verfechter der Demokratie – aber das war’s dann auch schon.

Cain hält den – wie Joachim Gauck richtig bemerkt: unsäglich albernen – Demonstranten an der Wall Street entgegen, daß sie zwar aus den falschen Motiven heraus und aufgrund mangelnden Wissens und Verständnisses demonstrieren gehen – wenn sie aber schon die Meinung vertreten, die sie zu haben vorgeben (obwohl die wenigsten sie erklären können), dann allerdings demonstrierten sie am falsch Ort. Nicht Wall Street, NY, sondern 1600 Pennsylvania Ave., D.C. sollte der Demonstrationsort sein, denn dort sind die Dinge vermurkst worden, die von den Demonstranten beklagt werden.

Verglichen mit vielen anderen Politikern, hat Cain eine großartige Weise, Fragen zu beantworten. Er weicht nicht aus, er sagt Ja oder Nein: „The answer is yes, and I will tell you why. First…, second…, third…“. Das ist natürlich simpel, das ist in Teilen der Wahlkampfsituation geschuldet, aber es ist – und das ist der große Reiz dieser schnörkellosen und die Argumentation nicht schuldig bleibenden Rhetorik – eine klare Ausdrucksweise. Wer deren Vorteil nicht erkennt, der sollte sich einmal entsprechende Äußerungen der anderen Kandidaten zuführen; dann wird das um so deutlicher.

Gegen Cain spricht womöglich, daß er nie ein politisches Amt, nie ein Wahlamt inne hatte. Aus der Sicht so mancher Amerikaner ist das eher ein Vorteil. Fest aber dürfte stehen, daß hier Routine im Umgang mit politischen Institutionen nicht vorhanden ist. Cain ist jedoch erfahren darin, große Apparate zu führen. Ist hier die Gemeinsamkeit größer oder die Verschiedenheit? Das ist nicht leicht zu beantworten. Cain erwidert darauf: Erfolgreiche Menschen wissen nicht auf alles die Antwort, aber sie wissen, bei wem sie sich bedienen müssen, um die richtige Antwort geben zu können. Jeder, der im Wirtschaftsleben in einer Führungsposition ist, weiß: das ist absolut zutreffend. Der Verteidigungsminister, um es an einem Beispiel zu erläutern, braucht kein guter Soldat zu sein – er muß ein guter Behördenleiter sein. Das traue ich Cain rundum zu.

Natürlich besteht die Möglichkeit, daß ein anderer Kandidat Cain noch den Rang abläuft – die Ermittlung des Kandidaten, der gegen Obama antreten wird, dauert noch etwa vier Monate. Es kann auch niemand ausschließen, daß Cain Fehler begeht, die ihn aus dem Rennen werfen. So aber, wie es sich aktuell darstellt, ist Herman Cain nicht nur der richtige Kandidat für die GOP, sondern der richtige 45. Präsident der USA.

– – –

Nun, das war ja wohl nichts. Nach der sehr früh geäußerten Mutmaßung, Jeb Bush könnte ins Rennen gehen, habe ich mir nun die zweite Fehlprognose erlaubt. Nun sieht es nach Newt Gingrich aus, aber der Weg ist noch lange. Ich halte mich mal lieber mit weiteren Prognosen zurück…

Der Hetzer vom Bosporus

Man weiß es – so man denn noch in Kontakt zur Realität steht: Erdogan, der Ministerpräsident der Türkei, ist ein Klerikalfaschist. Er ist ein islamistischer Hetzer in der Maske des Biedermanns, ein rassistischer Antisemit, ein kleiner Mann mit Großmannssucht. All das ist übel. Er ist auch ein mieser Demagoge, wie er bei seinen „Besuchen“ in unserem Land des öfteren zeigte, indem er die Türkei-stämmigen Deutschen eben davon abhält, sich in die deutsche Gesellschaft zu integrieren. „Besuche“ steht deswegen in Anführungsstrichen, weil ein Besucher sich im allgemeinen an die grundsätzlichsten Regeln von Höflichkeit und Anstand hält – was Erdogan bei seinen Hetz- und Haßreden vor Türken in deutschen Fußballstadien gerne vermussen läßt.

Nun aber hat Erdogan etwas getan, was nach alter Väter Sitte durchaus ein casus belli wäre. Man lese hier: http://www.welt.de/politik/ausland/article13662922/Erdogan-will-wegen-Zypern-Kontakt-zur-EU-einfrieren.html

Zypern ist eine Insel. Bis 1959 stand sie unter britischer Herrschaft (weswegen dort auch Linksverkehr gilt). Als der Staat 1960 unabhängig wurde, schien alles ruhig und friedlich zu verlaufen – bis die Türken 1974 den nördlichen Teil der Insel besetzten und die „Türkische Republik Nordzypern“ proklamierten – einen Witzstaat, den außer der Türkei niemand anerkennt. Nun will, wie man weiß, die Türkei gerne in die EU. Warum auch immer. Wir wissen auch, daß die EU hier recht zurückhaltend ist und profilierte Unions-Politiker klar dagegen sind (von der CSU eigentlich jeder, den ich kenne; von der CDU Philipp Mißfelder, beispielsweise).

Alle halbe Jahre übernimmt ein anderes Land den Ratsvorsitz in der EU. Das geschieht reihum und ist nichts besonderes. Aber ach! Im Juli kommenden Jahres wird Zypern diesen Vorsitz übernehmen. Und nun kommt also dieser Haßhetzer Erdogan daher und schwadroniert, daß die Türkei die Beziehungen zur EU deswegen einfrieren wird.

Einmal ganz abgesehen davon, daß man deswegen prüfen sollte, ob Zypern nicht ein wenig länger den Ratsvorsitz behalten könnte: es ist dies nach den althergebrachten Regeln der Diplomatie ein Kriegsgrund. Freilich soll man der Türkei nicht den Krieg erklären – aber man möge ihr klarmachen, daß sie derlei Spielchen mit dem Feuer nicht weiter betreiben soll. Alle Staaten der Welt erkennen Zypern – also: die Republik Zypern – als Staat an. Das sollte dieser verhinderte Herrscher eines wiedererstandenen osmanischen Großreichs einmal zur Kenntnis nehmen.

Ich bin, offen gesagt, dagegen, daß ein solche Kriegshetzer – der ja auch Israel mit Waffen zu seinem Glück zwingen will – zu uns zu Besuch kommt.

Warum ein Sohn nicht seinen Vätern folgen sollten

Rudolf Augstein war nicht nur ein guter Kaufmann, geschickter Unternehmensführer, vermögend gewordener Mann – nein, er war auch ein hervorragender Journalist. Man mag mit seiner Meinung nicht immer sympathisiert haben, aber die Qualität seiner journalistischen Arbeit wird man ihm auch dann nicht absprechen können.

Martin Walser ist ein vielgerühmter deutscher Schriftsteller

Privat lief nicht alles gleichermaßen gut wir im Berufsleben. Augstein nahm den Nachwuchs Jakob als seinen eigenen Sohn an; der Vater war wohl Walser. Nun wuchs Jakob Augstein also bei einem Ziehvater auf. Das ist kein Stigma; wäre der Name Augstein nicht so bekannt, würde niemand danach krähen. Da aber zusätzlich zur Prominenz und dem Vermögen der junge Augstein auch schreibend so etwas ähnliches wie in die Fußstapfen von Rudolf Augstein treten möchte, erkennt man, wofür solche Gemengelagen zuweilen gut sein können, besser: schlecht sein können.

Der alte Augstein war ein guter Journalist. Er hatte auch seine Meinungen, und die waren den meisten seiner Artikel auch anzumerken, aber er war auch ein guter Journalist. Jakob Augstein hingegen leidet an der deutschen Krankheit: er hat einen Berg von Meinungen, die er qua Geburt wahrnehmbar in die weite Welt hinauszuposaunen die Möglichkeit besitzt, aber er hat offenkundig weder das Wissen noch die Nüchternheit noch die Fähigkeit zu einem abgewogenen Urteil – all dies aber sind unabdingbare Voraussetzungen dafür, eine ernstzunehmende Meinung überhaupt erst zu entwickeln.

Meinungen, die ohne solches Fundament daherkommen, die diesen Mangel mit einem Übermaß an Tendenz auszugleichen suchen – was freilich nicht funktioniert -, sind keine Meinungen, sondern lediglich Geblubber. Oder, wie es im Namen der Rose der alte Jorge von Burgos dem darüber amüsierten William von Baskerville vorwirft: er läßt Maulfürze fahren.

Man lese dies: http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,786383,00.html

Wieder macht sich hier ein Deutscher auf und erklärte den Israelis, worin sie gefälligst ihre Interessen zu sehen hätten: „ohne Rücksicht auf die Verhältnismäßigkeit der Mittel das durchzusetzen, was sie für die Interessen Israels hält. Und wie schon so oft zuvor hat sie diesen Interessen damit einen schlimmen Dienst erwiesen“. Man hätte sich Ägypten entfremdet: “ Der jüdische Staat hat keine Sekunde lang einen Zweifel daran gelassen, dass es ihm lieber gewesen wäre, der Diktator Mubarak wäre noch im Amt. Was war das für ein verheerendes Signal an die Massen, die in den arabischen Ländern nun endlich das Joch der Despotie abwerfen! Wie viel klüger wäre es gewesen, die Chance des Wandels zu ergreifen und den Aufständischen die Hand für einen Neuanfang der arabisch-israelischen Beziehungen entgegenzustrecken! Aber dafür hätte Israel in den vergangenen Jahren sein palästinensisches Problem lösen müssen.“

Was redet der Mann? Jeder weiß – man kann es auch bei Hamed Amed-Sabdal nachlesen, siehe Entweder-Broder -, daß es der sogenannte arabische Frühling ist, der wie üblich die anitiisraelischen Reflexe bedient. Nach Augsteins Meinung hätte Israel wohl nach der Erstürmung der israelischen Botschaft in Kairo dort einen Tag der offenen Tür einrichten sollen…

Israel stütze Mubarak nicht. Israel unterstützt eine konstruktive Nachbarschaftspolitik mit den wenigen Nachbarn, die daran ebenfalls interessiert sind – so trifft dies etwa auf Jordanien zu, dem Israel über Haifa Zugang zum Mittelmeer gibt. Was Israel aber zurecht fürchtet, ist, daß die nach der euphorischen Aufbruchsstimmung nun allmählich ernüchterten Völker des Maghreb und Ägyptens auf den ältesten aller Budenzauber und das verkommenste aller Ablenkungsmanöver hereinfallen: Die Juden sind schuld! Ins gleiche Horn pustet dieser vielversprechende Augstein-Walser-Sproß und folgt damit seinem einem Vater nach. Augstein ist ein Antisemit. Vielleicht aus mangelnder Bildung heraus, aber der Grund, warum einer Antisemit ist, ist mir ziemlich gleichgültig.

Zweifel an diesem Postulat? Dem kann abgeholfen werden! Im verlinkten Artikel schreibt  Augstein: „Israel hat Freunde in Europa. Aber auch die werden dem Land nicht beistehen können, wenn es sich in eine offene Auseinandersetzung mit einem der Nachbarstaaten manövriert oder gar mit der Türkei. Ob Starrsinn, Hochmut, Selbstüberschätzung, Ungeschicklichkeit oder eine Mischung aus allem verantwortlich ist, wird dann keine Rolle mehr spielen.“ Er droht also Israel an, daß es auch von seinen Freunden nicht mehr unterstützt werden würde – na, was soll’s, wer den Jakob Augstein zum Freund hat, braucht sich keine Feinde mehr zuzulegen. Und wir erfahren, daß Israelis – die man natürlich und nicht ganz ohne Grund in pars pro toto mit Juden gleichsetzt – starrsinnig, hochmütig, selbstüberschätzend und ungeschickt sind. Das erinnert schon sehr an einige Aufsätze des Joseph Goebbels.

Daß Augstein dazu aber noch die Chuzpe hat, sich als Freund Israels aufzuspielen, müßte einem Menschen mit einem Rest von Anstand die Schamesröte ins Gesicht treiben.

Diese Unverschämtheit Augsteins erinnert an folgenden jüdischen Witz:

Ein Mann steht vor Gericht, der seine beiden Eltern erschlagen hat. Am Ende der Verhandlung erteilt der Vorsitzende ihm das letzte Wort. „Hohes Gericht! Habt’s Erbarmen mit mir armem Waisenkind!“